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Milch – ein gesundes Lebensmittel?

Milch
Die Agrarindustrie setzt alles daran, Milch und Milchprodukte als gesunde Lebensmittel darzustellen. Aber sind sie das tatsächlich? Was ist mit den Rückständen von Antibiotika, die den Kühen in der Intensivhaltung verabreicht werden, was mit der Laktoseunverträglichkeit, unter der so viele Menschen leiden? In der Tat bestätigen immer mehr Studien und Untersuchungen, dass der gute Ruf, den die Milch genießt, nicht gerechtfertigt ist. Gesünder ist es, pflanzliche Milch, wie Soja-, Reis-, Mandel-, Hafer- oder Dinkelmilch zu trinken. Zudem liefern Gemüse und Nüsse Kalzium in für den Körper besser verwertbarer Form.
Milch

Weiße Lügen? (Foto: Pixabay, congerdesign)

Milch ist Babynahrung

Viele Menschen reagieren auf Milcheiweiß allergisch. In Mitteleuropa haben ca. 15% der Menschen (das heißt, jeder 7. Österreicher) eine erbliche Laktoseintoleranz (daneben gibt es auch noch eine erworbene). Das ist keine Krankheit an sich, sondern der Normalzustand des Großteils der Erdbevölkerung: Bei einem erwachsenen Menschen ist nur noch eine Restaktivität des Enzyms Laktase vorhanden; diese Enzym spaltet Laktose auf. Die Maximalaktivität der Laktase besteht zum Zeitpunkt der Geburt und in der Stillzeit und fällt danach ab. So hat ein fünf Jahre altes Kind auch nur mehr eine fünf- bis zehnprozentige Laktase-Aktivität im Vergleich zu jener bei seiner Geburt. Die Laktoseintoleranz kann also als natürliche Abwehrreaktion des Körpers auf ein ungeeignetes Nahrungsmittel betrachtet werden.

Nur in Mittel-, vor allem aber im rauen Klima Nordeuropas, wo das Überleben der Menschen seit ca. 10.000 Jahren eng mit ihren Milchkühen verknüpft war, hat sich eine Bevölkerung entwickelt, die zum Großteil auch noch als Erwachsene Laktose abbauen kann. Diese Entwicklung entstand aber aus der Not heraus und ist die Ausnahme. Die Bevölkerungsmehrheiten in Asien und Afrika nehmen kaum oder keine Milchprodukte zu sich – in Asien ist Milch traditionell sogar verpönt und gilt in der traditionellen chinesischen Medizin als „schleimbildend“.

Kuh Euter

Das Euter einer Hochleistungskuh ist unphysiologischen Belastungen ausgesetzt (Foto: Pixabay, stux)

Von Blähbauch bis Osteoporose

Die durch zu wenig Laktase nicht gespaltene Laktose gelangt in den Dickdarm und wird von den dort lebenden Darmbakterien gespalten, was zu Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen und in langer Folge auch zu Osteoporose führen kann. Eine Reihe von anderen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (durch die gesättigten Fettsäuren) und verschiedene Krebsarten (v.a. durch die Wirkung der in der Milch enthaltenen Hormone wie Wachstumshormone, Östrogene usw.) werden heute in Verbindung mit dem Konsum von Milch gebracht. Da die Kühe wegen der Melkmaschinen, den Dauerschwangerschaften und dem Leistungsdruck häufig an Euterentzündungen leiden, finden sich auch Eiterpartikel in der Milch. Hinzu kommen wie gesagt Rückstände von Antibiotika und Hormonen.

Kurzum – es spricht nichts dagegen auf Kuhmilch als Kalzium-Lieferant und Lebensmittel zu verzichten, es spricht sogar vieles dafür. Voraussetzung ist natürlich wie bei jeder Ernährungsform, dass man sich ausgewogen und vielseitig ernährt, an die frische Luft und Sonne geht und sich ausreichend bewegt.

Kompakte Informationen rund um Nährstoff- und Vitaminzufuhr in der pflanzlichen Ernährung und auf was du achten solltest findest du in unserem Infothek-Artikel „Das Einmaleins der veganen Ernährung“ der Ernährungswissenschafterin Katharina Petter.

weißer Sesam und schwarzer Sesam

Klein aber oho! In den Samen steckt jede Menge Kalzium. (Foto: pixabay, Enotovyj)

Die Top 10 unter den pflanzlichen Kalzium-Lieferanten

Die zehn pflanzlichen Lebensmitteln mit dem höchsten Kalziumgehalt sind: Sesamsamen, Brennessel, Chiasamen, kalziumreiches Mineralwasser, Lithothamnium (eine Algenart), Mandeln, Haselnüsse, Grünkohl, Leinsamen und Tofu (hergestellt mit Calciumsulfat, dies ist die traditionelle chinesische Herstellungsart. Der nach japanischer Tradition mit Nigari hergestellte Tofu enthält etwas weniger Kalzium.) Der Ernährungsexperte und Buchautor Niko Rittenau empfiehlt zudem, die empfohlenene tägliche Kalziumzufuhr in mehreren Dosen zu sich zu nehmen und nicht alles auf einmal. Weiters empfiehlt er die Kombination mit bestimmten Gemüsesorten, Zitrusfrüchten und Obst, da diese die Kalziumaufnahme im Körper erleichtern. Konktret sind das Zitronensäure (in Zitrusfrüchten, Paprika, Tomaten etc.), Weinsäure (in Weintrauben und Rosinen), Apfelsäure (in Äpfeln, Aprikosen, Kirschen etc.) sowie Vitamin C (in Zitrusfrüchten, rotem Paprika etc.). [Quelle: Vegan-Klischee ade! von Niko Rittenau]

Kohl statt Kuh

Natürlich enthält Milch Nährstoffe. Diese können aber ebenso gut oder sogar besser über pflanzliche Lebensmittel aufgenommen werden. Während 100 g Kuhmilch bei normaler Absorption ca. 10 mg Kalzium (=Calcium) liefern, sind es bei der gleichen Menge Grünkohl sogar 22 mg. Damit weisen einige pflanzliche Lebensmittel sogar eine doppelt so hohe Bioverfügbarkeit von Kalzium auf, als dies bei Kuhmilch der Fall ist. Andere Pflanzen haben zumindest eine gleichwertige Bioverfügbarkeit wie Kuhmilch, so der Ernährungsexperte Rittenau. Gute Kalzium-Lieferanten sind weiters Ruccola, Brokkoli, Kohlrabi oder Pak Choi.

Mit einem Ruccola-Salat mit Tahini (Sesammus)-Dressing samt einem Spritzer Zitronensaft etwa liegst du jedenfalls schon mal genau richtig. Oder wie wäre es mit der klassischen Kombination von Brokkoli und Mandeln – auch kulinarisch eine fantastische Verbindung.

Lese- und Linktipps

Niko Rittenau: „Vegan-Klischee ade! [ISBN: 9783954531899]

Eine kleine Auswahl an Studien über gesundheitliche Wirkungen von Milchprodukten:

Eine weitere Liste mit Studien rund um vegetarische Ernährungsformen, gesundheitliche Wirkungen von Fleisch und Milch findet sich hier: http://futurefood.org

Die berühmte und kontrovers diskutierte Studie von T. Colin Campbell und Thomas M. Campbell, überarbeitet und neu aufgelegt: „China Study: Die wissenschaftliche Begründung für eine vegane Ernährungsweise“, ISBN: 978-3864010491
Vater und Sohn Campbell leiten auch das T. Colin Campbell Center for Nutrition Studies

Dieser Artikel ist unter Mitwirkung von Dr. Thomas Lehninger entstanden.

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