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Der Hofladen – neue Einkaufskultur am Land

Der Ab-Hof-Verkauf boomt in Österreich. Nachhaltigkeit und der individuelle Charme der kleinen Läden zieht ernährungsbewusste Konsumentinnen und Konsumenten zum Einkaufen aufs Land. Da die Erreichbarkeit oft nicht leicht ist, werden auch Kisterl verschickt. Ein Überblick.

Genuss der Landidylle mit dem Lebensmitteleinkauf verbinden – was gibt es Schöneres? (Foto: Pixabay, screamenteagle)

Was gibt es Schöneres, als übers ferne Land zu fahren, mit Fahrrad, zu Fuß oder Auto, die frische Luft zu genießen und in die ruhige, sanfte grüne Welt außerhalb der Großstadt einzutauchen! Wir genießen die Wälder, die bunten Blumenwiesen und die herrlichen Berge. Und wenn wir vor lauter frischer Luft und Bewegung so richtig Hunger bekommen, dann möchten wir auch Lebensmittel zu uns nehmen, die für die Gegend typisch sind und welche nach der örtlichen Tradition hergestellt werden. Also ab zum nächsten Bauernhof, denn naheliegenderweise bekommen wir diese Produkte direkt vom Erzeuger, frisch und ohne Transportwege. Eben naheliegend!

Früher, so erinnere ich mich jedenfalls an Kindheit und Jugend, war das gar nicht so einfach. Bauernhöfe haben die Produktion auf die Auslieferung an Großabnehmer abgestimmt, und wenn man dann doch mal spontan am Hof nach selbst produzierten Lebensmitteln gefragt hat, war die Verwunderung manchmal groß. Soll die schwer schuftende Bäuerin ihr mühsames Tagwerk unterbrechen, weil ein Tourist ein paar Eier direkt aus dem Stall haben will? So konnte man sich da schon mal fehl am Platz fühlen, und oft ist auch niemand anzutreffen gewesen am Hof.

Im Ethik.Guide, dem nachhaltigen Einkaufsführer, findest du in der Kategorie Lebensmittel sämtliche  Biokisten-Zusteller und Solidarische Landwirtschaften. Es kann auch nach veganen Anbietern oder bioveganer Landwirtschaft gefiltert werden.

Der Bauernhof als Einkaufserlebnis

Die Haltung vieler Landwirtinnen und Landwirte hat sich seit den 80er-Jahren gewandelt. Spätestens seit der Urlaub auf dem Bauernhof immer beliebter wurde. Auch den Städtern sind bewusste Ernährung und nachhaltige, saisonale und regionale Produkte immer mehr wichtig, und so schießen die kleinen bäuerlichen Hofläden sprichwörtlich aus dem Boden. Natürlich kaufen sich auch viele Nachbarn und Landbewohner ihre Produkte in nahe gelegenen Hofläden. Aber viel Absatz wird mit dem Tourismus gemacht. Die Städter lieben nun mal die Einfachheit und Langsamkeit am Land sowie das im Vergleich zum Supermarkt übersichtliche, aber qualitativ hochwertige Angebot und das Vertrauen, das einem entgegengebracht wird, wenn man das Bezahlen zur Ehrensache macht.

Hofläden haben viele Vorteile für ErzeugerInnen und KonsumentInnen: Es ist eine zusätzliche Einnahmequelle für die HerstellerInnen, das Sortiment kann an die Bedürfnisse der Verbraucher besser angepasst werden und die LandwirtInnen haben eine bessere Bindung an die Kundschaft. Diese wiederum genießen frische Produkte ohne Transportwege, bekommen einen persönlichen Eindruck von der Erzeugerin oder vom Erzeuger und zahlen keine zusätzliche Spanne für etwaige Zwischenhändler. Außerdem obliegt es ausschließlich den EigentümerInnen, wann sie offen haben wollen, denn Hofläden unterliegen nicht den Regelungen zu Öffnungszeiten.

Meist wird in Hofläden, welche zu einem Bauernhof gehören, das verkauft, was der eigene Boden für die Jahreszeit hergibt. Jedoch gibt es auch Verkaufsstellen, für den sich mehrere LandwirtInnen der Region zusammentun, um ein größeres Sortiment anzubieten. Manche können sich die Einrichtung eines eigenen Hofladens aus Geld oder Platzgründen gar nicht leisten. Und so steuert eine Produzentin frisches Gemüse bei, ein anderer zum Beispiel verarbeitete Produkte wie Kuchen oder Marmelade. Und das Geld steckt man dann nach dem Einkauf in die von den jeweiligen Erzeugern bereitgestellten Büchsen.

Ware aus Hofläden ist besonders frisch und hat keinen Transportweg hinter sich. (Foto: Pixabay, Sabrina Ripke)

Einkaufen unterwegs

Es ist oft gar nicht so leicht, die Hofläden überhaupt zu finden. Vor allem wenn man auf Reisen ist und nicht ortskundig. Natürlich kann man “locals” fragen, ob sie was in der Nähe kennen. Aber generell sollten Hofläden gut sichtbar ausgeschildert sein beziehungsweise im Internet auffindbar. Besonders Letzteres ist nicht immer gegeben. Gute Info-Quellen zu Hofläden im Internet sind www.abhof-verkauf.at und www.genussregionen.at, wer Wert auf Bioprodukte legt, sei auf www.vegan.at verwiesen. Dort findet man unter der Rubrik Bio-Kisteln auch Information darüber, ob die Hersteller Ab-Hof-Verkauf anbieten. Auf unserer Seite ethikguide.org findest du auch eine Reihe an Biokistenanbietern und es gibt die Möglichkeit nach rein vegan und biozertifizert zu filtern. Einige bieten auch den Versand der Produkte an. Schöner ist das selber abholen aber allemal!

Hofläden bieten ein besonders schönes Einkaufserlebnis, man fühlt die Nähe zu den Produzierenden und die Frische der Produkte. Die schöne Umgebung und das Vertrauen der VerkäuferInnen in die KonsumentInnen haben dabei eine wichtige Rolle. Natürlich ist die Auswahl beschränkt, aber das führt uns auch die unglaubliche Masse an Produkten vor Augen, die sich in unseren Mega-Supermärkten stauen. Man wird vielleicht auch bescheidener und überlegt sich, ob man das alles braucht. Saisonal, regional und nachhaltig, das ist, wofür Hofläden stehen.

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Ein Artikel von Levente
veröffentlicht am 14.12.2021