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Gemüse des Monats: Urkarotte

Achtung, dieser Post ist bereits aus dem Jahr 2013. Einige Informationen könnten veraltet sein.

Die Karotte an sich ist ein Gemüse mit langer Geschichte. Schon in der Steinzeit – man glaubt es kaum – wurde die Urkarotte angebaut. Im Gegensatz zur heutigen klassisch orangen Karotte spielte es damals die Farben rot, violett und schwarz. Die heute gewohnte orange Farbe ist übrigens das Werk holländischer Züchter, die im 17. Jahrhundert gelbe und schwarze Karotten gekreuzt haben, um damit dem Königshaus der Oranjes zu huldigen.

Urkarotte liebt orange Nachfahrin

Das Objekt unserer Begierde ist die violette Möhre, unter den Sortenbezeichnungen „BetaSweet“, „Purple Haze“ oder „Purple Dragon“ im Handel bekannt.

Aus der schwarzen Urkarotte und der herkömmlichen orangen Karotte wurde ein Genuss von „vor ganz langer Zeit“. Der Geschmack ist der ursprünglichen Urkarotte zuzuordnen – süß, saftig und knackig, wie eine Karotte eben schmecken soll. Die gekreuzte Urkarotte fällt mit ihrem sonnigen Innenleben auf. Aussen eher dunkel-violett, strahlt einem das fröhliche Innerne förmlich an: Helles orange mit violettem Einschlag erfreut das Auge und macht diese Karottensorte mit seinem aussergewöhnlichen Farbenspiel zu einem auch optisch attraktiven Lebensmittel.
Der Name Karotte wurde übrigens vom wissenschaftlichen Namen „carota“ abgeleitet. Dieser lateinische Begriff heißt übersetzt „gebrannt“ und bezieht sich auf die purpurrote Farbe der genannten früheren Zuchtformen.

Sag Gesundheitskarotte zu mir!

Die Urkarotte hat natürlich alle Vorzüge der uns bekannten Neuzeit-Karotte: kaum Fett, beinahe kalorienfrei und eine große Menge an wichtigen Nährstoffen. Punkto Betacarotin ist die Urkarotte allerdings nicht zu schlagen. Unglaubliche 40% mehr dieses Provitamins sind in den alten Sorten enthalten. Und wie man weiß, steht Betacarotin für glatte Haut, gesunde Augen und schöne Haare.

Dort gefällt’s mir, da bleib ich

Die Karotte ist ein Kind des gemäßigten Klimas. Sie bevorzugt humose, nährstoffreiche und leichte Böden. Zuviel an Feuchtigkeit und gestaute Näss verträgt sie ganz schlecht vertragen. Erntezeit ist ab Ende Mai/Anfang Juni.

So schmeckt’s am Besten

Karottenraritäten wie die Purple Haze eignen sich hervorragend für den rohen Genuss und das in ungeschälter Form. In mundgerechte Sticks geschnitten, ein leckerer Dip dazu (z.B. Avocado oder Sojarahm) und der Gaumengenuss ist garantiert. Beim Kochen am Herd sollte man die Karotte sehr vorsichtig behandeln und lange Kochzeiten vermeiden. Die Karotte soll knackig und bißfest bleiben, am besten eignet sich dazu das „Bratenrühren“ (=anbraten und anhaltend rühren) im Wok.  Der Geschmack ist saftig, süß und „karottiger“ als jener der orangen Nachkommen.

Das Rezept: Minipizzen mit Urkarottenbelag und Korianderpesto

für 3 Liebhaber des ausgefallenen Genusses

Minipizzen mit Urkarottenbelag und Korianderpesto

Zutaten

  • 300g Vollkorndinkelmehl
  • 1/2 Packung Trockenhefe
  • 1 TL Salz
  • 1 TL Vollrohzucker
  • 1 EL Sesam
  • 1 EL Olivenöl
  • 200ml lauwarmes Wasser

 

  • 6 EL passierte Tomaten (ganz eifrige passieren selbst)
  • 2 Urkarotten
  • 1 gepresste Knoblauchzehe
  • Salz und Pfeffer
  • etwas Öl

 

  • 2 gepresste Knoblauchzehen
  • 1 Bund Koriander
  • 3 EL Olivenöl
  • 1 TL Kreuzkümmel, gemahlen
  • 1/2 TL Paprikapulver, süß
  • schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • Salz

Vollkorndinkelmehl mit Salz, Trockenhefe, Vollrohrzucker, Salz und Sesam vermengen. Öl und Wasser zugeben und zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten. Die Teigschüssel mit einem Tuch bedecken und an einem warmen Ort 1 Stunde gehen lassen.

Im Anschluss den Teig nochmals durchkneten, in 9 Stücke teilen und flache Pizzen formen. Passierte Tomaten mit gepresstem Knoblauch, Salz und Pfeffer würzen. Jede Minipizza mit  Tomatensauce bestreichen und auf ein Blech legen. Die Pizzen für 15 bis 20 Minuten bei 200° Heißluft backen.

Die Karotten in dünne Scheiben schneiden. Öl erhitzen und die blättrig geschnittenen Karotten mit Knoblauch, Salz und etwas Pfeffer kurz knackig anbraten.

Für das Pesto die Korianderblätter fein schneiden und mit dem gepressten Knoblauch, Olivenöl, Kreuzkümmel, Paprikapulver und Pfeffer mischen.

Die fertigen Pizzen aus dem Rohr nehmen und die knackigen Karottenscheiben darauf verteilen. Die belegten Pizzen mit Korianderpesto beträufeln und sogleich genießen. Und übrigens, im Notfall tun’s auch „normale“ Karotten.

Artikel und Rezept: Michaela Russmann, Fotos: Jochen Russmann

Vorschau auf Juli: Brokkoli – der „italienische Spargel“

Von 2013 bis 2015 stellte die Kochbuch-Autorin und Gesundheitssoziologin Michaela Russmann jeden Monat exklusiv für animal.fair eine Gemüse-, Getreide- oder Obstsorte vor. Und zwar eine, die gerade Erntezeit hatte. Unser besonderes Augenmerk lag dabei auf seltenen, alten, teils vergessenen Sortenraritäten.

Ja, alte Sorten gibt es meist nicht im Supermarkt um die Ecke. Aber darum geht es: Der Garten von Mutter Erde hält soviel mehr an Vielfalt bereit als die wenigen, hochgezüchteten, oft auch noch importierten Sorten, die es weiträumig zu kaufen gibt. Wir glauben, dass der Pflanzenanbau der Zukunft sich wegbewegen muss vom Monokultur-Anbau weniger Allerwelts-Sorten hin zur biologischen Anbauweise vieler, regional unterschiedlicher Sorten. Und wir glauben, dass zu einer ausgewogenen, abwechslungsreichen und spannenden pflanzlichen Ernährung diese vielfältigen Pflanzenarten dazu gehören. Deshalb möchten wir sie Euch mit dieser Serie nahe bringen, denn die Nachfrage bestimmt das Angebot.

Bezugsquellen: Michaela Russmann verwendet meist Obst und Gemüse, das saisonal erhältlich ist. Die Sortenraritäten gibt es in manchen Bioläden, auf Bauernmärkten und vor allem bei den Kooperationspartnern des Vereins Arche Noah (der sich um den Erhalt der Sortenraritäten kümmert). Die einzelnen Kooperationspartner sind auf der Arche-Homepage aufgelistet, hier kann man sich einen Anbieter aus der eigenen Region suchen.

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Ein Artikel von Michaela Russmann
veröffentlicht am 19.06.2013
Michaela Russmann liebt es zu kochen und hält insbesondere zum Thema Rohkostküche Workshops und Seminare ab, Infos unter rohgenuss.at. Viele weitere ihrer Kochideen findet ihr in ihrem Buch "...aber vegan", Verlag Russmann & Sohn, ISBN: 978-3-9503565-3-3.