Der Strohhalm ist nur die Spitze des Müllbergs

Die Anti-Trinkhalm-Bewegung hat es geschafft sehr viele Menschen zu erreichen. Doch den Stein des Plastikverzichts hat sie nicht zum Rollen gebracht. Die Wende darf nicht mit dem Trinkhalm enden! Wir werfen weiterhin Unmengen an Plastik weg. Nur weil wir keine Plastik-Strohhalme mehr verwenden, sind die Schildkröten und das Meer noch lange nicht gerettet.
Plastik im Meer

Etwa 20 % des Plastiks gelangt direkt ins Meer. Verlorene Fracht, umhertreibende Geisternetze und Abfälle von Kreuzfahrtschiffen. Die weiteren 80 % werden über Flüsse ins Meer geschwemmt. (Foto: Pixabay, Jasmin_Sessler)

Der Teufelskreislauf des Plastiks

Obwohl wir mittlerweile wissen, dass Plastik einen riesigen Schaden anrichtet, fährt die Industrie weiter fort mit der Plastikproduktion, ohne mit der Wimper zu zucken. Ungefähr ein Drittel des Plastiks wird nach nur einmaligem Gebrauch weggeschmissen. Und nur 3-10 % des produzierten Plastiks wird recycelt. Der Schaden ist unermesslich. Führen wir uns mal einen Teil davon vor Augen: die Auswirkungen des Plastiks auf die Meere dieser Erde.

Mittlerweile ist Plastik in all unseren Lebensbereichen vertreten. Nicht nur Strohalme machen das Meer zu einer Hölle für Meeresbewohner wie Schildkröten. Jedes Jahr werden 322 Millionen Tonnen Plastik produziert – Tendenz steigend. Nach Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen landen mehr als 6,4 Millionen Tonnen im Meer. Eine Plastikflasche braucht ca. 450 Jahre bis sie zerfallen ist. Zurück bleiben unbeschreiblich viele kleine Mikroplastikteilchen.

Plastik im Meer

Die Meeresoberfläche und die Strände beherbergen aber nur die Spitze des Müllberges. 70 % des Mülls liegt auf dem Meeresgrund. (Foto: Pixabay, bilyjan)

In all den Jahren bis zum Zerfall hat der Plastikmüll viel Zeit sich um Tiere zu wickeln, sie dadurch am normalen Wachstum zu hindern, zu fesseln und zu erwürgen. Durch Meeresströmungen verteilt sich die Plastikmassen bis hin zu von Menschen unberührten Erdteilen und sammeln sich zu fünf großen Müllstrudeln inmitten der Ozeane: jeweils einer im Nordatlantik, im Südatlantik, im Südpazifik, im Nordpazifik und einer im indischen Ozean. Die Müllstrudel reichen 30 m unter die Wasseroberfläche und der größte im Nordpazifik wird auf eine Größe von bis zu 15 Millionen km2 geschätzt. Kanada hat im Vergleich eine Fläche von 10 Millionen km2.

Plastik im Meer

Über 100.000 Meerenssäuger und Millionen von Seevögeln, Fischen und anderen Meeresbewohnern sterben jährlich an gefressenem oder um sie gewickeltes Plastik. (Foto: Pixabay, A_Different_Perspective)

Mikroplastik

Mikroplastik sind bis zu 5 mm große Plastikteile. Neben zerfallendem Plastikmüll gibt es noch weitere Quellen für Mikroplastik im Meer. Beim Waschen von Kunstfasern lösen sich kleine Teile, welche gemeinsam mit Mikropartikel aus Kosmetika ins Abwasser gelangen. Kläranlagen sind nicht in der Lage diese winzigen Plastikteile herauszufiltern. Daher landen sie schlussendlich im Meer.

Die kleinen Plastikstückchen werden von planktonfiltrierenden Meeresbewohnern aufgenommen. Dies führt einerseits dazu, dass sie verhungern können und sich ihre Gedärme verstopfen. Andererseits lösen sich im Verdauungstrakt an die Plastikteile angelagerte oder im Plastik enthaltene Giftstoffe: POPs. Je höher ein Tier in der Nahrungskette, umso mehr dieser Gifte kann es im Laufe seines Lebens anreichern. Sie beeinflussen nachhaltig den Hormonhaushalt und das Erbgut der Organismen.

Persistente organische Schadstoffe – POPs (persistent organic pollutants) – sind giftige chemische Substanzen, die über die Luft und Flüsse ins Meer gelangen. Einige dieser Stoffe werden und wurden als Kühlmittel, Hydraulikflüssigkeiten, Weichmacher in Kunststoffen und als Brandverzögerer in Lacken, Farben und Klebern verwendet.

In der Natur zurückgelassener Plastikmüll landet spätestens als Mikroplastik über den Regen in den Meeren. (Foto: Pixabay, RitaE)

Was tun?

Wir alle können mit unserem Konsumverhalten einen kleinen Beitrag leisten. Genauso ist es wichtig recycelbares Plastik richtig zu entsorgen. Aber gleichzeitig müssen wir den Druck auf EntscheidungsträgerInnen erhöhen, die Produktion von Plastik zu verbieten. Hier nochmal alles als Checkliste:

  • Vermeide Plastik zu kaufen
  • Konsumiere keinen Fisch – kein Fischfang, keine Geisternetze die tödliche Fallen für Delfine und andere Meeresbewohner darstellen
  • Bevorzuge langlebige Produkte
  • Wirf Plastik in die dazu vorgesehenen Recycling-Tonne (Plastikflaschen kommen in Wien in die gelbe Tonne)
  • Nimm deinen (und gefundenen) Müll bei Outdoor-Aktivitäten immer mit
  • Teile dein vorbildliches Verhalten in den Social Media
  • Sprich mit deinen Freunden, Bekannten und Verwandten über die Dringlichkeit dieses Themas
  • Nimm teil an Protestaktionen gegen Plastik
  • Wende dich an EntscheidungsträgerInnen und verlange entsprechende Gesetzesänderungen

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Ein Artikel von Barbara
veröffentlicht am 19.01.2020