Fürs Stadtklima: Begrünte Fassaden und Dächer


Die Möglichkeit der Fassadenbegrünung mit Trögen muss vom Architekten oder der Architektin mitgedacht werden. Andere Varianten lassen sich auch im Nachhinein noch problemlos umsetzen. (Foto: pxhere.com, CC0 Public Domain)
Besonders in Städten staut sich im Hochsommer zunehmend extreme Hitze und die Tropennächte nehmen zu. Zusätzlich verursachen Verkehr und Industrie schädliche Stoffe und Staub in der Luft, die der Gesundheit zusetzen. Für rettende Grünflächen ist hier jedoch kaum noch Platz, da täglich mehrere Hektar des Bodens mit Straßen, Parkplätzen und neu errichteten Gebäuden versiegelt wird. Die Flächen sind begrenzt, die biodiversen und vielfältigen Landschaftsräume für Menschen, Tiere und Pflanzen sind rar. Deshalb ist bei der Stadtplanung verstärkt auf alternative Lösungen zu setzen. Ein in mehrfacher Weise sinnstiftender und platzsparender Weg gegen Hitze und schlechte Luft aktiv werden zu können, sind begrünte Fassaden und Dächer.
Wie die Bepflanzung von Gebäuden bei diesen Problemen helfen kann, welche anderen Gründe noch dafür sprechen, auf was man bei der Planung und bei der Umsetzung achten sollte und welche Beratungs- und Förderstellen dafür in Österreich zur Verfügung stehen, haben wir hier für dich zusammengefasst. Denn eines steht fest, Fassaden- und Dachbegrünung sind nicht nur Angelegenheit der Städte selbst. Jeder und jede Einzelne kann sich dafür einsetzen, mit Pflanzen den Wohlfühlfaktor in Städten zu steigern. ÖkologInnen haben berechnet, dass Begrünung von wenigen Prozent aller Gebäudeoberflächen schon einen spürbaren Unterschied machen.
Gute Gründe für Gebäude-Begrünung
Gleich zu Beginn eines vorweg: Die hie und da bestehenden Befürchtungen, dass Fassaden- oder Dachbegrünung die Gebäude schädigen, sind unbegründet, so Die Umweltberatung. Kletterpflanzen halten sich mit Saugnäpfen, Haftscheiben, Klimmhaaren oder Haftwurzeln nur an den kleinen Unebenheiten einer Fassade fest und zerstören bei technisch intakten Gebäudeteilen und bei fachgerechter Ausführung weder den Putz noch die Mauer. Die Haftscheiben vom Wilden Wein beispielsweise bringen lediglich visuelle “Schäden”, wie die Stadt Wien in ihrem online verfügbaren Leitfaden angibt. Die können auch wieder gut entfernt werden. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) nimmt auf einer ihrer vielen Infoseiten zum Thema grüne Wände auch die möglicherweise aufkommende Angst vor Schimmel: Der Wasserentzug der Wurzeln hält den Mauerfuß fortwährend trocken, wodurch das Schimmelrisiko sogar reduziert wird.
Aber was ist mit den Menschen, die von sich sagen, dass sie keinen grünen Daumen hätten? Auch euch dürfen wir beruhigen: Mit der richtigen Beratung kann fast jede kahle Wand und jedes Dach leicht und ohne großes Zutun langfristig grün gemacht werden (dazu gleich mehr).
Für alle, die bis hierhin von dem Konzept noch immer nicht überzeugt sein sollten oder Argumente suchen, um andere zu überzeugen, zeigen der Verein Global 2000, der Naturbund Deutschland (NABU), die Forschungs- und Innovations GmbH Grün statt Grau, die Wiener Einrichtung Die Umweltberatung sowie die Abteilung Umweltschutz der Stadt Wien so einige gute Gründe auf, die durchaus Hoffnung geben, dass es in Städten nicht mehr so heiß und grau bleiben muss. Hier ein Überblick:
Fassadenbegrünung
- Lärmreduktion störender Umgebungsgeräusche
- Angenehmes (ablenkendes) Blätterrascheln und Vogelgezwitscher
- Schaffung von Lebensraum für Vögel (Nistplätze) und Insekten
- Bei blühenden Kletterpflanzen: Nahrungsquelle für Bienen
- Lokale Isolation im Winter (Wärmedämmung und -speicherung)
- Natürliche Klimaanlage im Sommer (durch Schattenwirkung verringerte Verdunstung und lokaler Schutz vor aufgeheizten Hauswänden, die sonst Wärme an die Innenräume abgeben)
- Einsparung der Kosten für Heizung und Klimaanlage
- Fächerwirkung am Balkon durch Temperaturgefälle (Luftzirkulation)
- Gestalterische und ästhetische Aufwertung von Gebäuden und des öffentlichen Straßenraums

Eine vollflächige grüne Fassade mit Moosen, Flechten, Farnen und Gräsern wertet den Straßenraum ästhetische auf, sie hat aber auch noch viele andere nützliche Effekte. (Foto: pxhere.com, CC0 Public Domain)
Bepflanzte Dächer
- Speicherung von bis zu 80 Prozent des Regenwassers
- Verringerte Verdunstung des Wassers
- Entlastung der Kläranlagen
- Isolationseffekt bei dicker Erdschicht
- Rückgabe von versiegelten Flächen an die Natur und Lebensraum für Kleintiere
- Bei blühender Bepflanzung: Nahrungsquelle für Bienen

So kann eine Dachbegrünung in der Stadt aussehen – Gartenfeeling mit Aussicht. (Foto: Unsplash, chuttersnap)
Vorteile von beiden Grünflächen-Varianten
- Produktion von Sauerstoff
- Filterung/Bindung von Staub und Schadstoffen in der Luft
- Die Begrünung schützt die Fassade und das Dach gegen Witterungseinflüssen wie z.B. Schlagregen und UV-Strahlung (weniger Verschleiß)
Sowohl Dach- als auch Fassadenbegrünung sind Umweltschutz auf sehr vielen Ebenen – Ressourcenschonung (Energieersparnis, physischer Materialschutz), Regulierung von (Stadt-)Klima und Temperatur (Wasserspeicherung, Verbesserung des Mikroklimas) und Gesundheitsförderung (Schadstoffbindung und Sauerstoffproduktion). Gleichzeitig bietet das Gebäude zierende Grün Lebensraum für Tiere (Habitatschaffung) und erhöhte Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt für Menschen (Lärmschutz, thermischer Komfort, Ästhetik). Und das bei geringem Platzbedarf bzw. bei Verwendung sonst ungenutzter, aber wertvoller Flächen. Einige wissenschaftliche Daten und Fakten dazu sind unter anderem im Leitfaden Fassadenbegrünung, herausgegeben von der Stadt Wien, nachzulesen.
Hat dieser Artikel dein Interesse an grünen Dächern und Wänden geweckt? Im zweiten Teil zu diesem Thema zeigen wir dir, worauf du bei begrünten Fassaden und Dächern achten musst, welche Pflanzen sich dafür eignen und wie und wo du dein eigenes Naturschutzprojekt fördern lassen kannst.

Sich in der Stadt wohlfühlen. Das ist das Ziel von Begrünungsmaßnahmen von Gebäuden. Hier wird Fläche genutzt, die sonst verloren wäre. (Foto: Unsplash, Martin Reisch)