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Vom Winde verweht – das Schweigen der Natur

Windräder als Todesfalle für Vögel, Fledermäuse und Insekten – die gewaltigen Rotorenblätter der Windräder bedeuten (am Beispiel Deutschlands gemessen) den gewaltsamen Tod für ca. 40.000 Vögel, etwa achtmal so viele Fledermäuse und rund 5-6 Milliarden Insekten pro Tag. Genaue Zahlen sind schwer zu bekommen, da die Ergebnisse sehr stark arten- und standortabhängig sind. Gegen den sogenannten Vogelschlag kann aber einiges unternommen werden.

Wie „sauber“ ist Windenergie wirklich? (Foto: Pixabay, Mylene2401)

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Das Jahr 2021 birgt viele Hoffnungen und Möglichkeiten. So soll zum Beispiel das in Österreich geltende Ökostromfördergesetz rundumerneuert werden: Das neue „Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG)“ verspricht 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien bis 2030 – zehn Terrawattstunden davon sollen auf Windkraft entfallen.

Wie „sauber“ ist der Strom aus Windkraftanlagen?

Wenn die Dämmerung über dem Marchfeld einsetzt, erlebt die geneigte BeobachterIn ein spektakuläres Schauspiel: Tausende roter Positionslichter flammen über der weiten Ebene, wie eine Armada riesenhafter Glühwürmchen oder Saurons persönlicher Tuppenlandeplatz.

Gemeinhin gelten Windkraftanlagen als saubere und regenerative Stromerzeuger. Aber sie verändern nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch die Lebensräume von Vögeln, Fledermäusen und Insekten – rund 20 Prozent aller (seit 2000) in Österreich tot aufgefundenen Kaiseradler waren Windkraft-Opfer (Quelle: BirdLife). Während es für Vögel und auch Fledermäuse bereits viele Referenzstudien gibt, sieht es bei den Insekten wesentlich magerer aus:

„Es gibt zur Wechselwirkung zwischen Windkraft und Insektenmigration bislang nur wenige Untersuchungen“, sagt Matthias Geiger vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn.

Eine Grundlage bildet seit kurzem die aktuelle Modellanalyse des Deutsches Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Diese beziffert die in Deutschland potenziell gefährdeten Insektenmengen mit etwa 24.000 Tonnen pro Jahr, das sind in etwa 5-6 Milliarden Insekten pro Tag während der warmen Saison. Große Schwärme ausgewachsener, flugfähiger Insekten, kurz vor der Eiablage, suchen hohe, schnelle Luftströmungen auf, um sich vom Wind zu entfernten Brutplätzen tragen zu lassen und geraten dabei in die Windkraftanlagen.

Verunglückter Seeadler

Vom Windrad getöteter Seeadler (Foto: Mag. Matthias Schmidt, BirdLife Österreich)

„Dabei muss der Rotor nicht unbedingt das Tier treffen, auch der Unterdruck rund um die einzelnen Rotorblätter kann kleineren Tieren gefährlich werden. An den Rotorblättern, die teilweise bis zu 250 Kilometer pro Stunde erreichen, treten gefährliche Luftwirbel und Druckunterschiede auf, die etwa bei Fledermäusen einfach die Lungen platzen lassen.“ (Strom-Magazin)

Die Kollisionsraten sind stark standortabhängig, sind sich Experten einig: vogel- und fledermausreiche Standorte nahe Gewässern, an kahlen Bergrücken – wie etwa dem exponierten österreichischen Alpenraum – oder Wäldern fordern signifikant mehr Opfer als in übrigen Lebensräumen (NABU, BirdLife, Vogelwarte Sempach).

Besonders häufig betroffen sind beispielsweise Möwen und Greifvögel wie Rotmilan und Seeadler, die im Flug nach Nahrung am Boden Ausschau halten und dabei nicht bemerken, dass sie mitten in eine Gefahrenzone hineinsteuern.

Ähnlich verhält es sich mit den Lichtverhätnissen: Bei ungetrübter Sicht können die meisten Vögel den riesigen Anlagen problemlos ausweichen. Sobald sich allerdings die Sicht verschlechtert, erhöht sich die Kollisionsrate beträchtlich. Auch Fledermäuse sind davon betroffen, da die sensiblen Tiere in der Nähe der Windparks ihr Echo nicht richtig nutzen können. Sie werden durch den Unterdruck verletzt und sterben häufig durch Kollisionen.

Windkraft-Zonierungsplan soll Abhilfe schaffen

Zusammenstöße von Vögeln mit Windenergieanlagen (=Vogelschlag) können zu allen Jahreszeiten erfolgen, treten aber hauptsächlich während des Frühjahrs- und Herbstzuges auf. Verschiedene Studien haben ergeben, dass sich Vogelschläge nur in wenigen Nächten ereignen, dann aber viele Individuen betreffen können.

Durch geeignete Standortwahl und geringe Modifikationen an Lichtern und Farbe der Windräder können bereits viele Tötungen vermieden werden. (Foto: Mag. Matthias Schmidt, BirdLife Österreich)

Die Verwendung von roten Blinklichtern mit möglichst langer Ausphase, anstelle von durchgehend leuchtenden Lampen, führt bewiesenermaßen zu verringertem Vogelschlag. Auch gibt es Studien, welche sich mit der Mast- und Rotorblätterfarbe beschäftigen, da die Farbgebung der unteren Mastsegmente Einfluss auf die Schlagopferzahl hat.

Hauptsächlich sollte aber darauf geachtet werden, dass Windparks nicht mehr in Bereichen genehmigt werden, die für das Überleben von Vögeln und Fledermäusen notwendig sind. BirdLife Österreich appelliert für einen vorhandenen Windkraftzonierungsplan in jedem Bundesland, welcher Eignungszonen für neue Windparks ausweist und fordert auch die Koppelung der Förderwürdigkeit im neuen Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz an diese Zonierung. Somit würde sichergestellt, dass neue Windkraftanlagen in einer Eignungszone liegen und das aus naturschutzfachlicher Sicht begründete Ausschlusszonen vorliegen.

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Ein Artikel von Johanna
veröffentlicht am 26.01.2021
Berufliche Tausendsassa mit Outdoorfieber. Bei Regen gerne mal am Sofa anzutreffen, solange Buch und Hunde mit dabei sind.