Welcome to Sodom: Dein Smartphone ist schon hier

Achtung, dieser Post ist bereits aus dem Jahr 2018. Einige Informationen könnten veraltet sein.
Was passiert eigentlich mit einem Smartphone, wenn es gegen ein neues ausgetauscht wird? Immer häufiger werden innerhalb kürzester Zeit neue Elektronikgeräte gekauft – der Dokumentarfilm Welcome to Sodom beleuchtet die Auswirkungen der digitalen Revolution auf die BewohnerInnen von Agbogbloshie in Ghana.

Viel Elektroschrott wird verbrannt, um an wertvolle Metalle zu kommen. (Foto: © Camino Filmverleih)

Der österreichische Dokumentarfilm Welcome to Sodom: Dein Smartphone ist schon hier widmet sich einem Thema, das in unserem elektronischen Zeitalter immer zentraler wird und werden muss: Dem “Recycling” und der “Wiederverwertung” von elektronischen Geräten aus dem Globalen Norden, die häufig im Globalen Süden landen. Allein in Österreich werden jährlich 82.400 Tonnen Elektrokleingeräte entsorgt, glücklicherweise wird hier der Großteil der Geräte im Land recycelt.

Der Film fokussiert auf einen Ort in Ghana: Agbogbloshie einem Stadtteil in der Hauptstadt Accra. Dort leben und arbeiten circa 6.000 Männer, Frauen und Kinder – in einem der am meisten verschmutzten Orte der Welt – den seine BewohnerInnen „Sodom“ getauft haben. Jedes Jahr gelangen geschätzte 250.000 Tonnen Elektroschrott nach Accra an der ghanischen Küste. Die Regisseure Florian Weigensamer und Christian Krönes präsentieren ein Bild und eine Realität, das wir hier in Europa nur allzu gerne verdrängen.

Alltag in Sodom. (Foto: © Camino Filmverleih)

Eine Auswahl an Geschichten  von Menschen wird präsentiert, die versuchen in Sodom zu überleben, Geld zu verdienen oder sich aus persönlichen Gründen vor der restlichen Gesellschaft zu verstecken. Die Voiceover erzählen diese abwechslungsreichen Geschichten ohne das Elend zu romantisieren. Der Film wird dadurch sehr persönlich aber nicht belehrend.

Die Auswüchse und Nebenwirkungen der digitalen Revolution werden in Agbogbloshie besonders deutlich: Kinder und Frauen sind Teil des Geflechts, das diesen Ort ausmacht, nur sind sie durch ihre gesellschaftliche Stellung besonders gefährdet und können im Gegensatz zu den Männern nur einen Bruchteil des Geldes verdienen, zum Beispiel indem sie Wasser verkaufen. Die Lebensumstände sind gesundheitlich und ökologisch eine Katastrophe und manche der Panoramaaufnahmen erinnern an dystopische Darstellungen in Kunst und Film.

Kinder sind besonders gefährdet in Sodom. (Foto: © Camino Filmverleih)

Die beeindruckenden Bilder geben Einblick in Schicksale von Menschen, die wir nur allzu gerne vergessen. Die Protagonisten suchen Eisen um es weiter zu verkaufen, erwerben alte Computer und zerlegen diese dann in alle Einzelteile um möglichst viele wertvolle Metalle daraus zu gewinnen oder verbrennen ganze Kabelsalate, um an die Kupferdrähte zu kommen. Wer die Verlierer einer globalisierten Welt und geplanter Obsoleszenz sind, wird in dem Dokumentarfilm klar.

Auch Tiere leben in Sodom – mitten im Elektroschrott. (Foto: © Camino Filmverleih)

Dem Thema und der Problematik von Elektronikgeräten haben wir uns in einem mehrteiligen Beitrag bereits gewidmet, wo viele der Fakten zur Gewinnung der Rohstoffe, zur Produktion, zur Entsorgung auf dem globalen Schrottplatz bis zu Handlungsmöglichkeiten von KonsumentInnen behandelt werden.

Welcome to Sodom: Dein Smartphone ist schon hier

Regie: Florian Weigensamer und Christian Krönes
92 Minuten, Österreich
Kinostart: 02.08.2018

http://www.welcome-to-sodom.de/

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Ein Artikel von Yvonne
veröffentlicht am 13.12.2018
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