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Wilde Gärten – mehr als ein Trend

Let´s go wild! Garten-Arbeit bedeutet heute, auf Artenvielfalt zu achten. Heimische Wildpflanzen und Nützlinge helfen uns dabei. Jedes kleine Fleckchen kann zu einer Oase für Insekten und andere Lebewesen werden. Wie wir so einen wesentlichen Beitrag leisten können, um unser Ökosystem zu erhalten, haben wir hier aufgelistet.
Wildgarten

(Foto: Pixabay, JillWellington)

Artenvielfalt sichert unser Überleben

Im Garten können wir einiges tun, um der Natur unter die Arme zu greifen: Wilde Gärten sind die Oasen der Zukunft, und zwar für Mensch, Tier und Umwelt. Denn das Leben ist bunt und die Natur funktioniert im Kreislauf. Beim Biotop vor unserer Haustüre helfen uns klug gewählte Pflanzen wie heimische Wildblumen, Zeit und Geld zu sparen. Denn diese Pflanzen sind an die regionalen Bedingungen angepasst. Das hilft, den Wasserverbrauch beim Gießen zu reduzieren. Außerdem freut sich die heimische Tierwelt, wenn sie passende Nahrung findet. Statt „toter“ Rasen- oder gar Steinflächen ist bunte Vielfalt angesagt: Gärten, in denen es summt und duftet, sind das Motto.

Wildgarten

Vielleicht habt Ihr solche Schilder schon mal gesehen: Sie lenken unsere Aufmerksamkeit auf die Schönheit und die lebenswichtige Aufgabe unserer Natur. (Foto: privat)

Auch im Garten: Alles Bio

Bio, regional und saisonal hat sich im täglichen Einkauf bereits durchgesetzt. In den heimischen Gärten sind diese Kriterien noch nicht überall angekommen. Wildblumen und Nützlinge werden leider immer noch von vielen GartenbetreiberInnen als störend empfunden. Dabei tun wir uns auch als GärtnerInnen viel leichter, wenn wir die Natur nicht mehr als Feind betrachten, sondern gemeinsam mit ihr garteln. Wer den biologischen Kreislauf beachtet, wird mit einem üppigen Dschungel belohnt. Wem das Grün zuviel wird, der setzt behutsam Grenzen.

Tipp

Auch für Bio-Gärten gibt es Gütesiegel, wie die Initiative „Natur im Garten“ oder das Kooperationsprojekt „biologisch gärtnern“, mehr dazu findet Ihr hier in unserer Infothek.

Wildgarten

Hören wir auf unsere Natur: Ein Garten im ökologischen Gleichgewicht bedeutet auch für Haustiere wie Katzen ein Leben ohne die Gefahr von Giften wie Herbiziden (Foto: privat)

Passende Pflanzen helfen sparen

Bei der Gartengestaltung sollte man den Standort beachten, also Sonneneinstrahlung, Bodenbeschaffenheit und pflanzliche oder bauliche Nachbarn. Beginnen wir mit dem Sichtschutz, der meist als Gartenbegrenzung dient. Statt Thuje, Forsythie oder Kirschlorbeer gibt es viele heimische Gehölze, die nicht nur bunte Vielfalt in den Garten bringen, sondern auch rund zehnmal so viele Tiere versorgen. Haselnuss, Holunder oder Weißdorn bilden hohe Hecken. Und liefern leckere Schätze für unsere Küche: Haselnüsse aus dem eigenen Garten schmecken wunderbar, eine Busch trägt sehr viele Nüsse pro Saison. Der Hollerbusch ist schon seit dem Mittelalter als Zauberbusch bekannt, was wohl an der fiebersenkenden Wirkung seiner Blüten und Früchte liegt. Hexerei ist die Pflege dieser Hecke nicht, diese Gehölze vertragen vielfältigen Rückschnitt und kommen mit wenig Wasser aus.

Wildgarten

Im Frühsommer ernten wir die Hollerblüten für Saft und Tee, später dann die glänzenden schwarzen Hollerbeeren. Achtung: Roh sind die Beeren giftig, also immer gut abkochen und die Stiele entfernen. (Foto: privat)

Lebensmittel selber anbauen

Tolle Mitbewohner im Wildgarten sind Beeren: Brombeeren lassen sich zu richtigen Hecken hochziehen, es gibt mittlerweile auch stachellose Sorten, damit die Ranken nicht weh tun. Nicht ganz so hoch, aber umso leckerer ist eine Naschbeeren-Hecke: Himbeeren, Stachelbeeren, Ribiseln (aka: Johannisbeeren) liefern viele Nährstoffe für uns aber auch für Insekten und Vögel.

Das Gemüsebeet ist mit Tomaten, Erbsen und Paprika gut ausgestattet. Unkomplizierte Superstars im Beet sind Kürbisse: Aus ihrem Fruchtfleisch lassen sich unzählige Leckereien kochen oder grillen. Und die Kerne können wir verwerten oder gleich wieder aussäen. Für Würze in der Küche sorgen Kräuter wie Petersilie, Schnittlauch, Salbei, Thymian, Oregano, Rosmarin oder Bärlauch. Wichtig für unserer Garten-Arbeit: Sie gedeihen in unserer Region sehr gut und werden von Schnecken verschont.

Brombeerblüte (Foto: privat)

Wildblumen helfen Wasser sparen

Dieses Jahr zeigte es erstmals deutlich: Unser Klima wird immer trockener und heißer, der Klimawandel ist da. Jetzt noch viele kostbare Liter Wasser zum Blumengießen zu verwenden, ist keine nachhaltige Idee. Besser ist es, Pflanzen in den Garten zu holen, die sich fast allein versorgen können. Statt exotischer Pflanzen, die viel Wasser, Pflege und Aufmerksamkeit brauchen, helfen wir mit heimischer Flora nicht nur den Insekten unserer Region. Auch für unseren eigenen Terminkalender bedeutet das Anbauen pflegeleichter, heimischer Gewächse eine Erleichterung. Besonders gut fürs biologische Gleichgewicht sind Wildblumen, denn sie bieten ideale Bedingungen für die regionale Tierwelt. So gestalten wir unseren Wildgarten nicht nur hübsch, sondern leisten gleichzeitig einen wertvollen Beitrag für Insekten- und Artenschutz.

Tolle Tipps zum Thema Wildpflanzen gibt es etwa bei Rewisa-Netzwerk. Auch im Ethik.Guide haben wir Bezugsquellen und Infos zum Thema Wildblumen gelistet.

Wildgarten

Erhalten wir unsere Natur – für kommende Generationen. (Foto: Pixabay, S. Hermann & F. Richter)

Eine pflegeleichte Schönheit ist die Königin der Blumen: die Rose. Sie liebt das Rampen-, pardon Sonnenlicht, und verwöhnt ihr Publikum mit üppigen Blüten und betörendem Duft, je nach Sorte. Die Rosenblätter sind übrigens ein wahres Superfood und eine vitaminreiche Verzierung auf Torten, im Müsli oder Salat – bitte aber erst „ernten“ wenn die Rose am verblühen ist, die Insekten brauchen die Blüten dringend. Ein schöner Partner für Rosen ist Lavendel: Auch diese duftenden Pflanzen brauchen wenig Wasser und können kräftig gestutzt werden.

Voll das Leben: Gartenarbeit mit der Natur bringt jede Menge Vorteile. Hier arbeitet ein Rosenkäfer fleißig mit. (Foto: privat)

Wilde Ecke

Ganz wichtig in einem naturnahen Garten ist die sogenannte „Wilde Ecke“: Hier darf die Natur einfach nur sein. Einen oder mehrere Bereiche des Gartens bewusst „verwildern“ lassen: Wir greifen nicht ein, sondern lassen die wichtigen biologischen Helferleins in Ruhe arbeiten. Beobachten ist aber erlaubt, mit Becherlupen oder Snapy macht das nicht nur Kindern lehrreiche Freude. Die kleinen FreundInnen setzen wir aber wieder behutsam in ihr Habitat zurück.

Ein Must Have im modernen Garten ist mindestens ein Kompost-Haufen. Es gibt verschiedene Modelle, um hier für jede Anlage den passenden Behälter zu finden. So werden Abfälle aus der Küche mit Hilfe der vielen kleinen Boden-Krabbeltiere zur besten Gartenerde. Übrigens: Bedenken wegen schlechten Gerüchen können wir zerstreuen. Wenn der Kompost richtig gefüttert wird, riecht man ihn eigentlich gar nicht.

Ein weiterer Lebensquell sind kleine Wasserstellen: Gerade die steigenden Temperaturen sind für viele Tiere lebensbedrohlich, wenn sie nicht ausreichend trinken können. Kaputtes Porzellan ist nicht nur ein hübscher Blickfang, es fängt auch Regenwasser auf und ist so eine Trinkstelle für unsere Garten-Mitbewohner. Am besten immer wieder den Wasserstand kontrollieren.

Wild-Gärten als Werbeflächen

Heute sind Nachhaltigkeit und Naturbewusstsein die beste Visitenkarte, auch für Firmen. Unternehmen können punkten, indem sie ihre Freiflächen kontrolliert wild lassen – Wildblumen, ungestörte Ecken für Nützlinge, alte Obst- und Gemüsesorten tragen zu einem guten Klima bei, auch in der Arbeit. Wer professionelle Hilfe beim Anlegen eines Naturgartens haben möchte, findet im Ethik.Guide passende Fachbetriebe.

Egal wo Ihr die Natur genießt: Wir wünschen euch viel Spaß beim Garteln auf Fensterbrett, Balkon oder Terrasse!

Buchtipp:

  • Simone Kern: „Der antiautoritäre Garten – Gärten, die sich selbst gestalten“ (Kosmos Verlag)
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Ein Artikel von Sandra
veröffentlicht am 28.06.2020
Freie Journalistin und vegane Mama von zwei Schulkindern. Beim Ethik.Guide und animal.fair als Blogautorin und Social Media/facebook-Managerin aktiv. Findet Glück in der Natur, beim Backen und Kaffeetrinken.

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