Der Beigeschmack des Todes – Vogelsterben für die Olivenernte

Wenn zwischen Oktober und Jänner die Nacht über Andalusiens Olivenhainen hereinbricht, ist dies nicht nur ein spektakulärer Anblick für Naturliebhaber: Millionen Zugvögel aus Nordeuropa nutzen die Olivenbäume im Mittelmeerraum als Nachtquartier. Leider bleibt deren Nachtruhe nicht ungestört. Wenn die Dunkelheit die Hitze des Tages vertrieben hat, starten spezielle Erntemaschinen ihr geschäftiges Treiben. Unter lautem Dröhnen und mit strahlenden Lichtern schieben sie sich durch die Bäume, schütteln und saugen die Oliven von den Ästen, um ihr feines Aroma zu schonen. Zum großen Leid der Zugvögel, die, verwirrt von Lärm und Licht, vergessen zu fliehen und so millionenfach den riesigen Saug-Erntern zum Opfer fallen.

Trügerische Romantik (Foto: Pixabay, Fabio Grandis)

„Allein in Spanien werden jedes Jahr 2,6 Millionen Tiere von automatischen Erntemaschinen eingesaugt und getötet, etwa 100.000 weitere in Portugal.“

Die nächtliche Aktivität der Saug-Ernter tötet geschützte Vogelarten in einem katastrophalen Ausmaß. Im Jahr 2019 gab die Regierung Andalusiens zwar eine Empfehlung ab, dass diese Erntemethode besser eingestellt werden sollte, gezielte Maßnahmen wurden jedoch nicht gesetzt. Andere Großproduzenten von Oliven wie Portugal, Frankreich oder Italien äußerten sich nicht dazu.

Aus einer vom Institut für Naturschutz und Wälder (ICNF) herausgegeben Studie geht hervor, dass im Dezember und Januar mindestens 480 Vögel während der nächtlichen Olivenernte in den Olivenhainen von Alentejo durch maschinelle Ansaugung starben. „Die Ergebnisse basieren auf der Inspektion von 25 Olivenladungen, die auf 75 Hektar im Gebiet von Avis geerntet wurden. In den ICNF-Berichten heißt es „durchschnittlich 6,4 tote Vögel pro Hektar“. Hochgerechnet auf die vorhandenen 15.000 Hektar Olivenhaine könnte dies auf die jährliche Zahl der Todesopfer von über 96.000 Vögeln hindeuten.“

Die Opfer der Olivenernte (Foto: © Junta de Andalucía/José Luis Garcia Cano)

Internationale Experten warnen vor katastrophalen Folgen

Martin Harper von RSPB, der größten Naturschutzorganistation Englands, gibt an, dass bei den europäischen Feldvögeln ein Rückgang von mehr als 55 % über die letzten drei Jahrzehnte zu verzeichnen ist. Zu den am meisten betroffenen Arten zählen Rotkehlchen, Grünfinken, Grasmücken und Stelzen. Auch in Österreich meldet man sich zu Wort:  „Eine verbesserte Zusammenarbeit von Landwirten und Naturschützern kann unsere Feldvögel retten! Viele Landwirte wollen, die Politik aber muss hier den notwendigen Rahmen geben.“, sagt Dr. Gábor Wichmann, Geschäftsführer BirdLife Österreich. „Das Vogelsterben ist längst keine Utopie mehr, es ist Realität geworden.“

Vanessa Mata drängt auf rasches Handeln: Lokale Regierungen sowie lokale, nationale und internationale Gemeinschaften müssen dringend die Auswirkungen der Praxis bewerten und Schritte unternehmen, um diese zu beenden.“

Stille Einöde im Olivenhain (Foto: Pixabay, Tommaso Pardi)

Was tun gegen den Vogelmord?

In England wurde eine öffentliche Petition gestartet, die Vertretern der Europäischen Kommission aus den vier wichtigsten Olivenanbauländern (Portugal, Spanien, Griechenland und Italien) vorgelegt werden soll.

Es empfiehlt sich außerdem beim Kauf von Olivenprodukten auf den Vermerk „FAO GIAHS“ zu achten. Kontrolliert von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), garantiert dies den Schutz von wichtigen Agrarlandschaften und den dort angewendeten traditionellen Erntepraktiken, als Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung sowie zum Erhalt der Artenvielfalt (gilt derzeit vor allem bei Olivenölen aus Italien).

Mit positivem Beispiel geht hier auch das Olivenöl der Firma Rapunzel hervor: vegan, biologisch und ausschließlich mit mechanischen Verfahren gewonnen, gehört das Olivenöl Kreta P.G.I., nativ extra, laut Ökotest, zu einem von nur zwei Olivenölen, die mit der Bewertung „Gut“ abgeschnitten haben.

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Ein Artikel von Johanna
veröffentlicht am 14.01.2020
Berufliche Tausendsassa mit Outdoorfieber. Bei Regen gerne mal am Sofa anzutreffen, solange Buch und Hunde mit dabei sind.