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Die Schattenseite der Kokosnuss

Allein in Thailand sind schätzungsweise 12.000 Makaken als Erntearbeiter eingesetzt. In einem der Ausbildungscamps hängt ein Schild auf dem steht: “Affen beschweren sich nicht, verhandeln nicht um Löhne, sie betrügen nicht und haben keine Höhenangst”. Wir haben für dich nachgefragt, welche Marken diese qualvolle Erntemethode ausschließen können.

Viele der Makaken sind Wildfänge aus dem Regenwald. Nach einer zweijährigen “Ausbildung” zum Kokosnussernter verbringen die Tiere die Hälfte ihres Lebens als Arbeitstier. (Foto: Flickr, Max-Enders)

Speziell in Asien gelten Affen, wie die Makaken, als industrielle Nutztiere. In sogenannten Affenschulen erfolgt die Vorbereitung für die Kokosnussernte. Damit sich die Affen nicht wehren, werden ihnen die Zähne gezogen. Sie verbringen ihr ganzes Leben angekettet und einzeln in kleinen Käfigen. Ein trauriges Leben für ein kluges, in Gruppen lebendes Wesen. Das Pflücken von Kokosnüssen stellt für Affen eine gefährliche Situation dar. Sie werden dort eingesetzt, wo es speziell für den Menschen zu schwierig ist (z.B. hohe und brüchige Bäume). Während ihres ganzen Lebens sind sie einzeln eingesperrt, angekettet und erleiden oftmals Gewalterfahrungen durch den Menschen oder Verletzungen bei der Kokosnussernte.

Im Jahr 2020 hat die Tierschutzorganisation PETA Asia  über einige Farmen in Thailand berichtet und Missstände von Tierquälerei sichtbar gemacht. Dieses Video zeigt eine Zusammenfassung ihrer Erlebnisse. Ihr enthüllender Bericht befasst sich vor allem mit der Produktmarke Chaokoh. Auch in Österreich und Deutschland sind diese thailändischen Produkte aus Kokoserzeugnissen (wie Kokosmilch, -öl, -mehl) im Supermarkt zu finden.

Wenn sie nicht mehr effizient genug sind, fristen sie ihr Dasein gelangweilt und ohne Artgenossen. In ihrem ursprünglichen Lebensraum würden sie sich nicht mehr zurechtfinden. (Foto: Pixabay, Alexas_Fotos)

Ist eine Kokosnussernte ohne Affen möglich?

Wir vom Ethik.Guide haben uns bei einigen Unternehmen über ihre Produktionsverhältnisse, vor allem bezüglich der Ernte von Kokosnüssen, erkundigt und folgende Antworten erhalten:

Landkrone – Anbauort: Philippinen
„Die Kokospalmen wachsen im Umfeld von kleinen, familiär geführten Bauernhöfen und durch das Zusammenwirken von mehreren Hundert Landwirten heran. Die Einhaltung der sozialen Standards des Anbaulandes ist auf diese Art und Weise gewährleistet. Für die Gewinnung des Kokosöls werden die reifen Kokosnüsse per Hand von speziell dafür ausgebildeten Palmkletterern geerntet.“

Morgenland – Anbauorte: Sri Lanka & Indonesien
„Wir sind darüber hinaus Mitglied bei Business Social Compliance Initiative (BSCI). Über die MorgenLand Bio-Projekte sind wir bestrebt, durch persönliche Kontakte, Farmerschulung und Qualitätsarbeit im Ursprung die Qualität der Produkte so zu beeinflussen, dass die Produkte den europäischen Lebensmittelstandards entsprechen und so für die Erzeuger eine nachhaltige Einkommensquelle bieten. […] Auf den Einsatz von Affen und anderer Tiere wird bei uns gänzlich verzichtet.“

Alnatura – Anbauorte: Sri Lanka, Indonesien & Philippinen
„Die Bio-Kokosnüsse werden von Menschen geerntet werden und nicht von dressierten Affen.“

Joya – Anbauorte: Indonesien, Sri Lanka & Philippinen
„Wir haben von unseren Kokosmilchlieferanten die Bestätigung erhalten, dass keine Tiere (Affen) zur Ernte von Kokosnüssen eingesetzt werden. Die Ernte der Kokosnüsse erfolgt manuell durch die Landwirte selbst. Hier gibt es 2 Methoden, die Nüsse werden entweder direkt gepflückt oder mit Hilfe von Bambusstielen zum Herunterfallen gebracht. Unsere Lieferanten sind selbstverständlich regelmäßig vor Ort und überprüfen die Ernte- und Produktionsbedingungen“

Violife – Anbauorte: Indonesien, Philippinen & Papa Neu Guinea
“We use large coconut oil processors who are committed against child labor and the use of animals (monkeys) […] we – Arivia – and our suppliers are members of SEDEX (Regarding Ethical Trading covering No Animal Labour & Abuse).”

Naturli“We have heard about the animal cruelty. We can assure you, that we do not do business with any of these productions. We also state this on our webpage.”

SPAR Vital & SPAR Natur*pur – Anbauorte: Sri Lanka & Vietnam
S-Budget – Anbauort: Thailand
“Die Produzenten (z.B. Firma Rapunzel) arbeiten vor Ort mit langjährigen und zuverlässigen Partnern zusammen und können durch persönlichen und direkten Kontakt sowie Vor-Ort-Besuche eine tierfreie Ernte und Produktion garantieren.”

REWE – “Wir können Ihnen mitteilen, dass zur Ernte der Kokosnüsse für unsere Produkte wie Kokosöl, Kokoswasser oder Kokosmilch nach Auskunft unserer Lieferanten keine Affen eingesetzt werden. In den Hauptherkunftsländern unserer Waren wie Sri Lanka, Brasilien oder Philippinen werden, anders als in Thailand, keine Affen zur Ernte eingesetzt.”

DM Bio – Anbauorte: Sri Lanka, Indonesien, Vietnam & Philippinen
Wir stehen in engem Austausch mit unseren Lieferanten- und Herstell-Partnern und haben mit ihnen, auch im Hinblick auf die Vor-Lieferkette, die Einhaltung von umfangreichen Standards vertraglich vereinbart. Bei der Ernte und der Produktion für die dmBio Kokosprodukte sind keine Tiere beteiligt. Das ist durch unsere Herstellpartner und deren Vorlieferanten bestätigt.

Dr. Goerg – Anbauort: Phillippinen
Wir können Ihnen zu 100 % versichern, dass bei der Ernte unserer Bio-Kokosnüsse weder dressierte Affen, noch Kinder eingesetzt werden. Unsere Bio-Kokosnüsse werden ausschließlich von erwachsenen, menschlichen Kletterern geerntet. Dr. Goerg ist mehrmals im Jahr persönlich vor Ort, um die Anbau-Areale zu überprüfen.”

[Von folgenden Betrieben ist die Antwort noch ausstehend: Hofer, Provamel, Soyade]

Weitere Stellungsnahmen von Firmen sind in einem Artikel von VGT Austria zu finden.

Aus diesen Statements wird deutlich, dass es positive Beispiele für faire und tierleidfreie Herstellung von Produkten mit Kokosnusserzeugnis gibt. Es werden keine Tiere zur Ernte eingesetzt, sondern Seil- und Plattformsysteme mit hydraulischen Aufzügen entworfen oder Kokospalmen in kleineren Versionen gezüchtet.

Kokospalme

Die Erntearbeit auf den hohen Palmen ist gefährlich. Sowohl für Tiere als auch für Menschen. Tierfreie Ernte und faire Arbeitsbedingungen für Menschen sind daher besonders wichtig. (Foto: Unsplash, Artem Beliaikin)

Bewusstsein hilft!

Auf unternehmerischer Seite ist ein bewusstes Handeln nach fairer Produktion immer mehr spürbar. Tiere sollen genauso wenig wie Menschen leiden, wenn es beispielsweise um die Ernte von Kokosnüssen geht. Dadurch soll die Entwicklung bestimmter Techniken die Ernte erleichtern. Ebenfalls haben sich Vereinigungen gegründet, welche eine tierleidfreie Arbeit garantieren. Aus diesen Beobachtungen ist zu schließen, dass ein Bio-Produkt nicht gleichzeitig ein Garant für sozial-faire Produktion ist. Jedoch oftmals gehen beide Kriterien Hand in Hand: Das Unternehmen erwartet von sich selbst einen würdigen Umgang mit Arbeitsverhältnissen, indem es Transparenz in der Öffentlichkeit zeigt. Es zeigt sich hier bereits, dass Druck von uns KonsumentInnen in manchen Belangen Verbesserungen in der Produktion mit sich bringen. Machen wir weiter so!

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Ein Artikel von Sara Kristin Zigner
veröffentlicht am 14.02.2021

7 Kommentare

  • Anneli Leo sagt:

    Hi, mich würde auch Dr. Goerg und Govinda interessieren.
    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese Firmen derart arbeiten würden, aber die Frage stellt sich.
    War mir völlig neu das Thema.
    Danke für die Recherche!
    LG; Anne

    • Sara Kristin Zigner sagt:

      Im verlinkten Artikel von der VGT ist ebenfalls ein Zitat von Ihnen zu finden – deshalb hab ich mich mehr auf andere Unternehmen fokussiert. Es gibt ja soviele die Produkte aus Kokoserzeugnissen anbieten. Auf jeden Fall Danke für dein Kommentar und die Erinnerung an diese Unternehmen! :)

  • Gioya sagt:

    Hallo,
    Vielen Dank für den Beitrag !!
    Was ist mit Dr. Georg??? Diese Firma verwendet sicher auch keine Affen und ist qualitativ das beste Kokosöl zum erhitzen.

    • Anneli sagt:

      Hi Gioya,
      habe bei Dr. Goerg und Govinda nachgefragt, hier bereits die Antwort von Dr. Goerg:
      Guten Tag Frau Xxxx,

      vielen Dank für Ihre Nachricht.

      Wir können Ihnen zu 100 % versichern, dass bei der Ernte unserer Bio-Kokosnüsse weder dressierte Affen, noch Kinder eingesetzt werden. Unsere Bio-Kokosnüsse werden ausschließlich von erwachsenen, menschlichen Kletterern geerntet. Dr. Goerg ist mehrmals im Jahr persönlich vor Ort, um die Anbau-Areale zu überprüfen. Kein anderer Kokos-Hersteller hat eine solch enge Beziehung zum Ursprungland seiner Produkte. Nur durch diesen intensiven Kontakt auf Augenhöhe lässt sich ein wirklich nachhaltiges Produkt gewährleisten.

      Die Ernte der frischen Kokosnüsse ist seit Generationen echte Handarbeit. Da die Höhe der durchschnittlichen Kokospalme 20 bis 30 Meter beträgt, gestaltet sich die Kokosnussernte sehr schwierig. Um an die reife, köstliche Frucht zu gelangen, bedarf es erfahrener und starker Palmkletterer, die den Stamm erklimmen und die Frucht herunterholen. Ein anderer Weg an die knackige Kokosnuss zu kommen, ist der mittels eines besonderen Werkzeugs. Dabei handelt es sich um einen extrem langen Bambusstock, der aus mehreren Teilen besteht. An der Spitze befindet sich eine Sichel, mit der die Früchte vom Baum abgetrennt werden können.

      In manchen Ländern wie Thailand oder Malaysia werden die Kokosnüsse mithilfe dressierter Affen, den Makaken, geerntet. Bei Dr. Goerg wird auf so ein Ernte-Prozedere verzichtet. Der Anbau und die Kokosnussernte auf den Philippinen werden traditionell von Kleinbauern und Familienbetrieben ausgeübt, die fair entlohnt werden.

      Weitere Informationen finden Sie auch hier:

      https://www.drgoerg.com/unternehmen/erntefrische-verarbeitung#affen

      Den Bildbeweis für die Kokosnussernte ohne Affen und Kinder finden Sie in unserem Ernte-Video unter https://www.youtube.com/watch?v=78m9S85hdjg.

      Bei Rückfragen bin ich gerne für Sie da.

      Mit freundlichen Grüßen
      Best regards

      Natascha Pliefke

      Vertrieb Innendienst

      Dr. Goerg GmbH Premium Bio-Kokosnussprodukte

      Gewerbegebiet Werkhallen | Geschwister-Scholl-Straße 25 | D-56410 Montabaur

      Tel.: + 49 (0) 2602 – 934 69-0 | Fax: +49 (0) 2602 – 934 69-22
      service@drgoerg.com | http://www.drgoerg.com

      • Sara Kristin Zigner sagt:

        Vielen lieben Dank fürs Nachfragen! :) Ich habe die Antwort im Artikel ergänzt. Echt toll wie viele Unternehmen geantwortet haben.

    • Sara Kristin Zigner sagt:

      Den Tipp mit dem Kokosöl, muss ich selbst mal ausprobieren :) Die Antwort des Unternehmens habe ich mittlerweile im Artikel ergänzt, danke dir für die Weiterentwicklung des Artikels :D

      • Anneli Leo sagt:

        Voll toll, hier nun auch die Antwort von Govinda :) Die haben auch super Kokosprodukte (Öl, Mus…):

        Hallo liebe Anne,

        vielen Dank für deine Frage.

        Unsere Partner in Sri Lanka verwenden keine Äffchen zur Ernte.

        Die Kokosnüsse werden stattdessen mit langen Stangen, an welche ein Messer angebracht ist, geerntet.

        Mit natürlich süßen Grüßen aus Neustadt a. d. Weinstraße,

        Best wishes

        Stephanie Heim

        Marketing & PR Management

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        Tel.: +49(0) 6321 49930-117

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