Ei-Ei – also doch nicht käfigfrei?

Seit 2009 ist die konventionelle Käfighaltung von Legehennen in Österreich gesetzlich verboten (EU-weit seit 2012). Käfigfrei war Österreich damit aber noch lange nicht. Der sogenannten „ausgestalteten Käfighaltung“ wurde erst zehn Jahre später ein Ende bereitet. Mit Jahresanfang 2020 hat also die letzte Legehenne ihren Käfig verlassen – Hühnerparadies Österreich? Mitnichten.
Käfigeier

(Foto: Pixabay, Gerd Altmann)

Der Import und die Verarbeitung von Eiern aus konventioneller Käfighaltung ist nach wie vor möglich und täglich werden fast zwei Millionen Eier in verarbeiteter Form zum Beispiel als Flüssig- oder Trockenei für die Verwendung in der Gastronomie und Lebensmittelproduktion importiert. Weltweit stammen 95 Prozent der Eier von Käfighennen, in der EU liegt der Anteil aus der ausgestalteten Käfighaltung bei über 50 Prozent. Damit landen jährlich mehr als 600 Millionen ausländische Käfigeier auf heimischen Tellern.

Wo kein Kläger, da kein Richter – fehlende Kennzeichnungspflicht

Wir finden sie in Nudeln, Süß- oder Backwaren, Fertigprodukten, Hotels und Gaststätten. Da die gesetzliche Kennzeichnungspflicht fehlt, ist für den Konsumenten nicht ersichtlich, woher die verarbeiteten Eier stammen. Kritik kommt von heimischen Bauern wie von Tierschützern: „Zumindest im Einkauf für öffentliche Einrichtungen, für Kindergärten, Schulen, Spitäler oder beim Heer sollte die Einhaltung des österreichischen Tierschutzgesetzes Standard sein“, sagt Michael Wurzer von der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG).

Käfigeier

Hühner in Bodenhaltung (Quelle: Wikimedia Commons, Maqi / CC BY-SA)

Konventionelle Käfighaltung: Einem Huhn steht eine Fläche von 550 cm² zur Verfügung – das entspricht einer Fläche von weniger als einem A4 Blatt.

Ausgestaltete Käfighaltung: Hier hat jedes Huhn 750 cm² Platz. Im Käfig gibt es Legenester, Sitzstangen und eine Scharrfläche.

Bodenhaltung: Neun Hennen leben pro Quadratmeter in riesigen Hallen. Bis zu 6.000 Tiere drängen sich in einem solchen Stall.

 

Nach Gammelfleisch nun Gammeleier?

Schmerzlich in Erinnerung gerufen wurde dieser Missstand durch die Betrugsvorwürfe gegen das im Februar 2020 unter Beschuss geratene Unternehmen „Pro Ovo“. 1,5 Millionen Hühnereier aus ganz Europa verarbeitet der österreichische Großbetrieb nach eigenen Angaben pro Tag!

Anonymen Berichten zufolge sollen frische und verdorbene Eier bei „Pro Ovo“ gemeinsam pasteurisiert, zu Flüssigwaren verarbeitet und anschließend ausgeliefert worden sein. Auch Hühnerkot soll regelmäßig seinen Weg in die Produkte gefunden haben, welche anschließend an Bäckereien, Eisdielen und Restaurants in ganz Europa geliefert wurden. Die Gefahr einer Salmonellenvergiftung dürfte aufgrund der Pasteurisierung allerdings nicht bestanden haben.

Keine Lust auf Käfigeier im Essen?

Ein Blick auf die Zutatenliste reicht oft schon aus, um die Fülle der unendlich scheinenden Teigwarenregale im Supermarkt zumindest etwas einzugrenzen. Viele renommierte Marken kommen ganz ohne den Zusatz von Eiern in ihrem Herstellungsprozess aus oder deklarieren bei Fertigprodukten, die Eier oder Eiprodukte enthalten, zumindest freiwillig, aus welcher Haltungsform diese stammen.

Auch die Regierung will laut Programm ab 2021 in der öffentlichen und privaten Gemeinschaftsverpflegung eine Kennzeichnung der Herkunft von Milch, Fleisch und Eiern umsetzen.

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Ein Artikel von Johanna
veröffentlicht am 3.03.2020
Berufliche Tausendsassa mit Outdoorfieber. Bei Regen gerne mal am Sofa anzutreffen, solange Buch und Hunde mit dabei sind.