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Nachhaltige Festivals: Feiern mit gutem Gewissen

Mit dem Sommer, dem Sonnenschein und den langen Tagen kommt auch die Festival-Zeit und Tausende Musik- und Feierbegeisterte stürmen die verschiedensten Event-Locations. Doch beim Feiern vergisst man ab und an schon mal die Auswirkungen, die so ein Festival mit sich bringen kann. Die Ökobilanz von Festivals ist alles andere als vielversprechend. Die Erreichung des Parisziels der 1,5°-Erwärmung erfordert aber ein Umdenken in allen Lebensbereichen… auch beim Feiern! Zum Glück gibt es Pioniere, die zeigen, dass Festivals auch nachhaltig gehen…

Festivals haben negative Auswirkungen auf die Umwelt. Mit Energieeffizienz, Abfallvermeidung und öffentlicher Anreise kann man aber auch nachhaltiger feiern. (Foto: Unsplash, Stephen Arnold)

Was macht Festivals denn jetzt so un-nachhaltig?

Die Festival-Saison sorgt für einen enormen CO2-Ausstoß. Neben diesen Emissionen und einem hohen Wasserverbrauch durch die Versorgung auf dem Veranstaltungsgelände ist das Abfallaufkommen massiv. An vorderster Stelle sind hierbei zurückgelassene Zelte zu nennen, aber auch Getränkebecher, Klappstühle und Flaschen. Bei einem der größten Festivals in Österreich, dem Frequency, kommen in 3 Tagen und mit ca. 200.000 Besucher*innen schon mal 330 Tonnen Müll zusammen. Der bedeutsamste Umwelteinfluss von Festivals ist allerdings dem Transport der Besucher*innen zuzuschreiben. Individuelle An- und Abreisen mit dem Auto erzeugen treibhausgasreiche Emissionen. Diese sind, auf einige Hunderttausende Besucher*innen gerechnet, natürlich stark umweltbelastend.
Somit fragen wir uns, wie sich diese Umweltsünden in nachhaltige Festivals transformieren lassen.

Lösungsansätze für ein Feiern mit gutem Gewissen

Großbritannien ist das Mekka der nachhaltigen Festivals. Seit 2007 ist die Nachhaltigkeitsinitiative «Julie’s Bicycle» ein weltweites Vorbild für die strategische und operative Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien, Tools, Leitfäden oder Checklisten in der Festivalbranche. Durch Sensibilisierung und Förderungsprogramme hatten im Jahr 2020 68 Prozent der Festivals in England eine*n Nachhaltigkeitskoordinator*in. Aber auch in Österreich hat Nachhaltigkeit die Eventbranche erreicht. Mit der Zertifizierung von Green Events erhalten Veranstalter*innen Unterstützung bei der Umsetzung von nachhaltigen Veranstaltungen. Dafür gibt es Soll- und Muss-Kriterien zu Themen wie Energieeffizienz, Abfallvermeidung und umweltschonende An- und Abreise der Gäste aus. Wichtig sind auch regionale Wertschöpfung und soziale Verantwortung.

Wie kann ein ultimativ nachhaltiges Festival also aussehen?

Das folgende Bündel an Ideen, Lösungsansätzen und Positivbeispielen nimmt seine Inspiration aus Maßnahmen von Festivals wie dem Open Air St. Gallen und Paleo in der Schweiz, Tollwood, Green Me und Melt in Deutschland, Glastonbury in Großbritannien, Roskilde in Dänemark, und vielen mehr…

  • Für die Müllproblematik braucht es „Trash Heroes“: Freiwillige Helfende sorgen für ein sauberes Gelände und für eine korrekte Mülltrennung. Sie klären die Besuchenden über die Abfall-Problematik auf und verteilen Müllsäcke.
  • Die Energieversorgung besteht zu 100 Prozent aus Ökostrom.
  • Für Gaumenfreuden sorgt ein bio, regionales, vegetarisches und veganes gastronomisches Angebot.
  • Das Festival sammelt übrig gebliebene Lebensmittel und spendet sie an Tafeln und Obdachlosenheime. Außerdem kann die App Too Good To Go helfen zu vermeiden, dass unverkaufte Lebensmittel im Müll landen.
  • Als Anreiz zur nachhaltigen Anreise gibt es einen Nachlass auf öffentliche Verkehrsmittel und Sonderzüge, die die klimaschonende Anreise so einfach wie möglich und für alle attraktiv macht. Außerdem: mehrtägige Fahrradanreise von der nächstgelegenen Stadt aus. Oder es gibt einen Hotelzug, wo die Festivalgäste direkt im Zug übernachten können und weder Zelt noch Isomatte benötigen.
  • Als Non-Profit Veranstaltung wird ein Teil der Einnahmen an NGOs gespendet.
  • Zusammenarbeit mit und Flächenbereitstellung für NGOs: Die bekommen auf dem Festival jeweils einen eigenen Bereich. Dort vermitteln sie den Festivalgänger*innen Umweltbewusstsein und soziales Engagement.
  • Einweg-Plastikflaschen sind verboten: Besucher*innen können selbst eine Trinkflasche aus Metall mitbringen oder vor Ort kaufen. Wasserhähne bieten kostenfreies Trinkwasser an.
  • Komposttoiletten wie das öKlo helfen beim Wassersparen und machen sogar das stille Örtchen grüner.
  • Auch das Shoppen lässt sich im Sinne der Nachhaltigkeit gestalten: Fairer Handel ist für Produkte aller Standbetreiber*innen und Kunsthandwerker*innen Voraussetzung. Pullover und Fan-Shirts sind aus Bio-Baumwolle oder anderen nachhaltigen Materialien.
  • Festivals können als Multiplikatoren für Nachhaltigkeit wirken.
  • Im Sinne der Nachtruhe gibt es über das gesamte Festival oder zumindest an einigen Tagen Silent Disco: Dadurch müssen keine Anrainer*innen am Lärm leiden. Und auch in der Umgebung lebende Wildtiere werden durch den Lärm nicht gestört.
  • Nachhaltigkeitskommunikation und nachhaltige Acts: Künstler*innen wie Ellie Goulding, Massive Attack oder Radio Head haben öffentlich ihre verursachten Emissionen thematisiert und setzen sich teilweise Ziele zur Emissionsreduktion. Radio Head berechnete als erste Band weltweit ihre Emissionen der Touraktivitäten und damit Vorzeigebeispiel in Sachen Green Touring.

Der meiste Müll entsteht mit zurückgelassenen Zelten (Foto: pixabay, wikimedialmages)

Nachhaltige Festivals brauchen nachhaltige Besucher*innen

Alles beginnt bei der Auswahl der Festivals. Dazu erkundig dich euch am besten, was die Organisatoren tun, um die Umweltbelastung zu vermeiden.
Einige Green Events in Österreich: Schrammel.Klang.Festival und Wellenklänge in NÖ, das Südwind Straßenfest in Wien (im Juni), Free Tree Open Air und das Seewiesenfest in OÖ, das INNROCKreloaded oder Hillvibes in Tirol und das poolbar-Festival in Vorarlberg.

  • Zelte, Schlafsäcke und Isomatten müssen für das einmalige Erlebnis nicht gekauft werden. Sharing is caring. Positiver Nebeneffekt: Auf geliehene Dinge gibt man automatisch besser Acht. Wenn du dir doch dein eigenes Camping-Zubehör zulegen möchtest, kannst du auf langlebige und umweltschonende Materialien achten, wenn sie kaputt gehen, reparieren und ordnungsgemäß entsorgen. Einwegmaterial ist tabu.
  • Anstelle von Dosenravioli oder gekauften Gerichten auf Einweggeschirr kannst du dir Festival-Essen Zuhause vorbereiten und hast für mehrere Tage gesunde und frische Mahlzeiten. Geschirr nicht vergessen.
  • Für Tschickstummel gibt es Taschenaschenbecher. Für das gewisse Etwas im Gesicht gibt es Öko-Glitzer.
  • Öffentliche Anreise und Müllvermeidung und -trennung versteht sich von selbst.

Damit hält dich nichts mehr von deinem Festival-Sommer ab. Viel Spaß beim nachhaltig Feiern!

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Ein Artikel von Denise
veröffentlicht am 20.06.2023
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