No Poo: Von Haarseife bis Water Only

Weniger ist mehr für schöne Haare. Es gibt viele gute Gründe für Haarwäsche ohne (Sham)Poo! Irritierte Kopfhaut, geschädigtes Haar oder Müllvermeidung im Badezimmer – egal warum du eine Alternative ausprobieren möchtest, wir stellen die gängigsten Möglichkeiten der Haarwäsche ohne Shampoo aus der Plastikflasche vor.
No Poo

Schöne Haare – ganz natürlich! (Foto: Pixabay, Pexels)

Wer uns kennt, weiß, dass wir Biokosmetik empfehlen – „natürlich“ auch für die Haare. Wenige, dafür gute Pflegemittel und Färben mit Pflanzenhaarfarben belasten die Haare deutlich weniger als scharfe Tenside und chemische Inhaltsstoffe. Alle No-Poo-Methoden haben dasselbe Ziel: Die Talg-Produktion, also das natürliche Haarfett (auch Sebum), soll sich nach einiger Zeit wieder selbst im Gleichgewicht halten können. Die Umstellung braucht ein bisschen Geduld, denn die Haare brauchen ein paar Wochen bis Monate, um bspw. Rückstände von Silikonen abzubauen und wieder ihre natürliche Kraft und Gesundheit zu erlangen. Wenn du bisher schon Naturkosmetik-Pflegemittel verwendet hast, geht das schneller. Wenn es nicht gleich klappt, probiere verschiedene Methoden aus, bis du deine perfekte Alternative gefunden hast. Denn jedes Haar und jede Kopfhaut ist anders. Und das Durchhalten lohnt sich auf jeden Fall!

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Haarseife kann oft sogar unverpackt gekauft werden (Foto: Pixabay, theresaharris10)

Haarseife

Haarseifen sind ein leichter Einstieg, weil sie wie Shampoo ein bisschen schäumen, was bei anderen No-Poo-Methoden nicht der Fall ist. Haarseife ist echte Seife, auf die Bedürfnisse von Kopfhaut und Haar abgestimmt. Wenn du deine Haare nach einiger Zeit als zu trocken oder zu fettig empfindest, hilft es, auf eine Seife mit weniger/mehr Überfettungsgrad zu wechseln. Sehr hartes, kalkhaltiges Wasser erschwert die Anwendung einer Haarseife: Es können weiße Flocken, die sich auf der Kopfhaut ablegen, entstehen. Diesem Effekt wirkt eine Spülung nach jeder Haarwäsche entgegen.
Die Haarseife einfach auf dem nassen Haar oder in den Händen aufschäumen, verteilen und gründlich auswaschen.

Roggenmehl

Roggenmehl ist pH-hautneutral und entfernt überschüssiges Fett, ohne die Kopfhaut auszutrocknen. Dadurch lernt die Kopfhaut mit der Zeit, sich wieder selbst zu regulieren.
Zwei bis drei Esslöffel Roggenmehl und Wasser mit einem Schneebesen verrühren, bis eine Paste entsteht, die etwas dünnflüssiger als Shampoo ist. Die Paste auf die Kopfhaut auftragen (mit den Fingern Scheitel ziehen). Falls noch etwas übrig ist, den Rest im Haar verteilen und einmassieren. Kurz einwirken lassen, ausspülen.

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Roggenmehl – nicht nur zum Backen ;-) (Foto: Pixabay, Bru-nO)

Heilerde

Heilerde kommt in verschiedenen Varianten und Farben vor. Rote Heilerde enthält einen höheren Eisenanteil, grüne Heilerde mehr Mineralstoffe. Weiße Heilerde eignet sich besonders gut für feines Haar und empfindliche Kopfhaut. Ähnlich wie Roggenmehl entfernt Heilerde überschüssiges Fett, kann aber die Kopfhaut ein bisschen stärker entfetten.
Ein bis zwei Esslöffel Heilerde und Wasser mit einem Löffel zu einer nicht zu dickflüssigen Paste verrühren. Die Paste auf der Kopfhaut und den Rest davon auf dem Haar verteilen und einmassieren. Zwei bis drei Minuten einwirken lassen und ausspülen.

Natron

Natron vermischt mit Wasser ist eine weitere No-Poo-Methode. Von einer langfristigen Anwendung raten allerdings viele, die es ausprobiert haben, ab. Die Mischung kann bei regelmäßiger Verwendung austrocknend auf die Kopfhaut wirken.
Einen Esslöffel Natron mit einer Tasse Wasser vermischen, über Kopfhaut und Haar geben, einmassieren, ausspülen. Danach sollte eine Spülung verwendet werden.

Water Only – ja, das geht!

Ich habe meine Haarpflege vor vier Monaten auf Water Only umgestellt. Corona-Lockdown und Home Office waren dafür optimale Rahmenbedingungen. ;-) Water Only bedeutet genau das – nur Wasser, sonst nix. Das wichtige bei Water Only ist das tägliche ausgiebige Bürsten mit einer dafür geeigneten Bürste. Auf jeden Fall in der Früh, ich mache es zusätzlich auch am Abend. Das Bürsten befreit die Haare mechanisch von Schmutzpartikeln, massiert die Kopfhaut und regt deren Durchblutung an und verteilt das Sebum, das körpereigene natürlichste Haarpflegemittel der Welt, von der Kopfhaut bis in die Haarspitzen. Die tägliche Bürstenpflege ist bei Water Only ein Muss und empfiehlt sich auch bei jeder anderen Form der Haarwäsche.
Das Waschen funktioniert wie mit Shampoo oder einer Alternative, also unter dem warmen Wasserstrahl ein paar Minuten lang die Kopfhaut gut, und gerne auch kräftig, mit den Fingerspitzen massieren. Bitte nicht einfach nur das Wasser über den Kopf laufen lassen! Das massieren und kreisen der Fingerspitzen sorgt in diesem Fall nicht für das Verteilen von Shampoo am ganzen Kopf, sondern regt die Durchblutung der Kopfhaut an, hilft überschüssigen Talg zu lösen und entfernt eventuell vorhandene Schuppen.

No Poo

Nur mit Wasser geht es auch (Foto: Pxfuel)

Water Only (auch Water Washing genannt) eignet sich auch bei sonst anderer Pflege mit Shampoo oder Alternative für zwischendurch zum Haare auffrischen. Das typische „Quietschen“ der Haare wie nach Waschen mit Shampoo bleibt hier natürlich aus. Doch keine Sorge – eure Haare sind frisch und sauber, wie ihr spätestens sehen werdet, wenn sie trocken sind.

Wie auch bei allen anderen neuen Methoden der Haarpflege gibt es eine Übergangszeit, die durchgestanden werden muss. Speziell bei Water Only gibt es viele unterschiedliche Erfahrungsberichte, z.B. auf YouTube. Ich persönlich hatte gar keine merkbare Umstellungsphase. Das lag bei mir bestimmt daran, dass ich schon seit Jahren ein sehr sanftes Naturkosmetik-Shampoo verwendet habe und mindestens ebenso lang die hundert Bürstenstriche am Morgen praktiziere. Insofern musste ich die ersten paar Wochen meine Haare einfach ein bis zwei Tage früher waschen als gewohnt und auch das hat sich wieder auf den alten Rhythmus eingespielt. Meine Haare wachsen schön dicht und halten ihr Volumen gut über mehrere Tage. Die Bürste muss jetzt etwas öfter gereinigt werden, das ist für mich nun nach vier Monaten der einzige Unterschied. Ach ja, und keine Kosten mehr für ein Haarwaschprodukt! Zero costs und zero waste. Eindeutig eine Win-Win Situation. :-)

Für Neulinge: Naturkosmetik-Shampoo ohne Silikone

Wenn du derzeit noch ein konventionelles Shampoo verwendest und nicht sofort von 100 auf 0, sprich von diesem auf ein No-Poo-Produkt umsteigen willst, dann nimm erst einmal eine Zeit lang ein Naturkosmetik-Shampoo ohne Silikone. Das reinigt die Haare mit natürlichen Inhaltsstoffen sanfter als das konventionelle Gegenstück und ist dabei genauso effektiv. Wenn sich deine Haare darauf eingestellt haben und du dich damit wohlfühlst, kannst du anschließend den nächsten Schritt gehen und eine der oben beschriebenen Methoden ausprobieren.

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Olivenöl – gut für den Salat und auch für trockene Haarspitzen! (Foto: Pixabay, stevepb)

Und beim Frisör?

Wenn du zu einem Naturfrisör gehst, ist das kein Problem, da dort sowieso Naturkosmetik-Produkte verwendet werden. Es stört deine No-Poo-Routine nicht, wenn deine Haare alle paar Wochen oder Monate mit einem Bio-Shampoo gewaschen werden. Alternativ kannst du dein eigenes Produkt mitnehmen und darum bitten, dieses für deine Haarwäsche zu verwenden. Oder du wäschst dir die Haare vor dem Frisörbesuch selbst.

Alternativen zu Balsam, Spülung & Co

Zur Vorbeugung oder Behandlung von trockenen Spitzen helfen Öle wie Olivenöl, Argan-, Kokos- oder Jojobaöl. Wichtig ist, die Öle wirklich nur in den Spitzen aufzutragen, sonst kommt es zur Überfettung.
Verdünnter Apfelessig erfüllt die Funktion einer Haarspülung und macht die Haare weich und glänzend. Der Essig schließt die nach dem Waschen leicht aufgeraute (natürliche) Schuppenschicht der Haare. Dafür ein wenig reinen Apfelessig ungefähr im Verhältnis 1 zu 10 mit kühlem Wasser mischen und in die Haare geben. Ein halber Liter ist eine Menge, die auch gut für lange Haare reicht. Entweder kurz einwirken lassen und ebenfalls kühl ausspülen oder im Haar belassen. Keine Sorge, der Geruch verfliegt und wenn die Haare trocken sind, ist nichts davon zu bemerken.

Alles Gute für die Phase der Umstellung und dann viel Freude mit deinem gesunden, natürlich gepflegten Haar!

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Ein Artikel von Sabrina
veröffentlicht am 21.07.2020