Wie ökologisch ist Online-Shopping?

Online-Shopping
Es ist Lockdown und der Handel hat geschlossen. Was bleibt uns da anderes übrig, als aufs „Sofa-Shoppen“ umzusteigen? Einfach von zuhause aus bestellen, geliefert wird vor die Haustür. Seit 2020 geht der Trend eindeutig in Richtung Onlinehandel, wie die riesigen Umsatz-Zuwächse bei Amazon und Co. beweisen. Doch wie klima- und umweltfreundlich ist das Bestellen im Vergleich zum stationären Handel? Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach. Wir dröseln das Thema für dich auf.
Online-Shopping

Durch die Lockdowns kommen immer mehr Menschen auf den Geschmack des Online-Shoppings. Auch wenn es gemütlich und schnell geht, jeder Kauf sollte wohl bedacht sein. Brauche ich das Produkt wirklich? (Foto: Pexels, Anastasia Shuraeva)

Im Ethik.Guide, dem Einkaufsführer für fairen und nachhaltigen Konsum, findest du in der Kategorie Mode sowohl jede Menge Geschäfte, als auch eine Vielzahl an Onlineshops, die auf Kleidung ohne Tierleid setzen.

Die großen Gewinner der Krise

Im dritten Quartal des Krisenjahres 2020 haben sich seine Gewinne verdreifacht, der Umsatz ist um 37 Prozent auf 100 Milliarden USD gestiegen, 11 Prozent des Online-Volumens in Österreich gehen auf sein Konto: Die Rede ist natürlich von Amazon, einem großen Gewinner in der Krise. Doch auch andere Online-Portale verzeichnen atemberaubende Zuwächse, bestellen Menschen doch soviel im Internet, wie nie zuvor. Während Corona stieg der virtuelle Anteil am Handel bei uns um ein Drittel, natürlich bedingt durch lange Perioden geschlossener Geschäfte, vom Bedarf des täglichen Lebens einmal abgesehen. Anhand von Umfragen ist klar geworden, dass wir nicht nur vermehrt online kaufen, weil die Ware wegen dem Lockdown nicht verfügbar ist oder aus Angst vor einer Ansteckung im Geschäft. Es ist allgemein ein Trend zur Bequemlichkeit beim Shoppen zu verzeichnen, der wohl auch nach der Pandemie bestehen bleiben wird.

Daher lohnt es sich, hier genauer auf die Ökobilanz unseres Einkaufsverhaltens zu schauen. An sich, so hat das deutsche Umweltbundesamt kürzlich festgestellt, ist Onlinehandel nicht schädlicher fürs Klima als die lokale Variante. Aber es spielen einige Faktoren mit, welche die Bilanz schnell verschlechtern können. Denn ausschlaggebend ist vor allem das Produkt, das wir kaufen. Bis zu drei Viertel der Treibhausgasemissionen eines Onlineeinkaufes entstehen bei der Produktion der Ware und nur ein bis zehn Prozent bei der Auslieferung. Wenn wir uns also mit nur einem Klick ein nicht umweltverträglich hergestelltes Produkt bestellen, welches vielleicht auch noch kurzlebig ist, dann ist die gute Ökobilanz auch schon wieder dahin. Wie macht man es also am besten?

Kauf dich glücklich – aber richtig?

Wir leben in einer stark vernetzten und komplexen Welt. Man muss viele Faktoren einberechnen, um ein klares Bild der Umweltbilanz eines Einkaufs zu erhalten. Wenn wir also lokal kaufen, dann sollten wir darauf achten, was wir kaufen und wie wir dorthin kommen, nämlich am besten zu Fuß, mit dem Rad oder den Öffis. Denn schon eine einfache Einkaufsfahrt mit dem Auto bringt ein hohes Maß an Treibhausgasen in die Luft. Außerdem verbrauchen große Geschäfte enorm viel Energie: Beleuchtung, Heizung, Kühlung der Ware sind alles andere als umweltschonend, Ware wird entpackt und präsentiert, was auch zu Müllaufkommen führt.

Also doch lieber per Mausklick? Wie gesagt, es kommt sehr darauf an, was und wo man kauft. Auch im Onlinehandel gibt es Anbieter regionaler Produkte mit kurzen Lieferwegen, wie z.B. Shöpping, das Shopping-Portal der Post. Wenn man jedoch schnell mal ein Wegwerfprodukt bestellt, das nicht repariert werden kann und nach einiger Zeit kaputt ist, ist es schlecht für die Umwelt. Und noch ein großes Problem hat der Onlinehandel: Meist kann man die Ware, wenn sie uns nicht gefällt, einfach zurückschicken. So werden in Deutschland über 50 Prozent der Bestellungen zurückgeschickt, das sind 300 Millionen Pakete im Jahr. Nicht nur ist das extrem viel Müll, der dabei entsteht, auch die Fahrtwege der Ware verlängern sich immens.

Nur etwa ein bis zehn Prozent der Treibhausgasemissionen eines Produkts etstehen bei der Auslieferung. Bis zu drei Viertel entstehen bei der Produktion der Ware. Daher: nachhaltige Produktion ist für die Klimabilanz wichtiger als der Kauf im Geschäft. (Foto: Unsplash, Claudio Schwarz)

Das Hemd, dessen Blauton doch nicht so aussieht wie am Bildschirm, oder der Pulli, der hinten bisschen eng ist, gehen einfach und oft kostenlos zurück. Dann werden sie meistens aufwendig mit dem LKW nach Polen und Tschechien gefahren, wo sie wieder aufbereitet werden, nur um dann wieder in die Lager in ganz Europa verteilt zu werden. Die Zukunft des Einkaufens kann doch sicher nicht darin bestehen, 10 Hemden zu bestellen und davon neun zurückzuschicken. Schon gar nicht, wenn es auf Kosten der Umwelt geht.

Schlussendlich dreht sich alles um einen Begriff: Konsum. Was brauchen wir wirklich? Schauen wir uns genau an, ob die Ware, welche wir kaufen, langlebig ist und sich reparieren lässt? Ob sie ökologisch hergestellt wurde? Wie sehr lassen wir uns von der algorithmisch auf unser Kaufverhalten eingestellten Werbung dazu verleiten, überflüssige Dinge zu kaufen? Wie viel an zweifelhaften Arbeitsverhältnissen in Produktion und Vertrieb akzeptieren wir für unser Einkaufserlebnis?

Die gute Nachricht: Jede und jeder von uns kann sich diese Fragen selbst leicht beantworten und unmittelbar dazu beitragen, dass unser Konsum nicht zulasten der Umwelt geht. Es geht um Information zu den Produkten und den Versandablauf. Aber vor allem geht es um die Frage, ob wir nur konsumieren, um uns wohl zu fühlen, anstatt Dinge zu besorgen, welche wir im Leben tatsächlich brauchen.

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Ein Artikel von Levente
veröffentlicht am 2.02.2021