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Fair Fashion – Interview mit der österreichischen Designerin Anja Lauermann

Anja Lauermann
Achtung, dieser Post ist bereits aus dem Jahr 2020. Einige Informationen könnten veraltet sein.
Anja Lauermann ist Designerin aus Leidenschaft, sie entwirft seit 2012 zwei Mal im Jahr eine Kollektion. Sie hat sich von Anfang an zum Ziel gesetzt, zeitlose und moderne Mode aus nachhaltigen Materialien, die unter fairen Arbeitsbedingungen produziert wurde, anzubieten. Die junge Designerin zeigt, dass ökologische Mode schick und trendig sein kann. Schon von Beginn an wurden alle Kollektionen ausschließlich unter fairen und sozialen Arbeitsbedingungen in einer sozialökonomischen Schneiderei in Wien gefertigt. Damit werden die Näherinnen und Näher gefördert und ihre berufliche sowie soziale Rückkehr in das Arbeitsleben erleichtert. Auch bei der Materialauswahl kommt ausschließlich zertifizierte Bio Baumwolle, recyceltes Polyester oder innovative Materialien wie Piñatex (Ananasleder) zum Einsatz. Wir haben Ihr ein paar Fragen zu Ihrem Werdegang, Arbeitsweise und Trends gestellt.
Fair Fashion Modedesignerin

Anja Lauermann (Foto: © Michaela Mejta)

Wie war Ihr Weg zur Mode?

Mode hat mich schon immer begeistert. Kurz vor der Matura habe ich dann beschlossen, dass ich Modejournalistin werden will und habe gleich nach Schulabschluss das Kolleg in der Herbststraße besucht. Während der Ausbildung absolvierte ich ein Praktikum bei der Designerin Anna Aichinger und dort erlebte ich zum ersten Mal wie eine Kollektion entsteht. Ich hab wahnsinnig viel bei ihr gelernt und es hat so viel Spaß gemacht. Kurz vor dem Abschluss des Kollegs hab ich überlegt, ob ich selbst Modedesignerin werden soll. Schließlich kam ich zu einem Entschluss: „wenn ich es jetzt nicht probiere, probiere ich es nie.“ Knapp ein Jahr danach, im Mai 2012, hab ich meinen Shop in Stockerau eröffnet.

Wie arbeiten Sie?

Die Ideen zu den Modellen kommen meist, wenn ich einen Stoff vor mir hab. Dann zeichne ich den Schnitt und nähe den Prototypen. Wenn alles passt, zeichne ich die Schnitte in den verschiedenen Konfektionsgrößen, schneide alles zu und bringe es in die Produktion nach Wien.

Bis jetzt hab ich immer zwei Kollektionen pro Jahr entworfen, Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter. Nächstes Jahr werde ich mich aber auf Kleinserien konzentrieren. Bei einer Kollektion müssen Farben und Schnitte miteinander harmonieren. Dabei fühle ich mich mittlerweile etwas eingeengt. Ich arbeite viel lieber spontaner und möchte nicht mehr darauf achten, welche Farben im Trend sind. Und ich möchte natürlich meinen Kunden auch ein größeres Sortiment anbieten.

Was zeichnet Ihre Mode aus?

Mir ist immer wichtig, dass meine Mode zeitlos ist. Viele Schnitte hab ich schon jahrelang im Sortiment und sie kommen immer wieder gut an. Nachhaltigkeit steht neben dem Design natürlich auch ganz oben. Seit Beginn lasse ich meine Stücke bei der Volkshilfe Merit in Wien produzieren. Die Schneiderei hilft langzeitarbeitslosen Menschen im Berufsleben wieder Fuß zu fassen. Und ohne nachhaltige Materialien geht bei mir natürlich auch nichts mehr. Bio-Baumwolle verwende ich schon seit sechs Jahren und 2018 bin ich dann komplett auf Bio umgestiegen. Meine Kunden legen sehr viel Wert darauf und ich freue mich sehr, dass mittlerweile viele andere auch umdenken und dadurch zu mir finden.

Was inspiriert Sie zu ihren Kreationen?

Meistens sind es Stoffe, sobald ich sie sehe, kommen schon die Ideen. Oft sind es aber auch Schnitte, die ich bereits verwende, die aber mit einem anderen Stoff doch ganz anders aussehen.

Anja Lauermann (Foto: © Michaela Mejta)

Wie würden Sie Ihre Kunden beschreiben?

Meine Kundinnen sind alle ganz unterschiedlich. Von Anfang 20 bis Ende 70 ist alles dabei. Aber eines haben sie gemeinsam: sie wollen Stücke, die nicht jede zweite auf der Straße trägt, die unter fairen Arbeitsbedingungen und aus nachhaltigen Materialien produziert wurden.

Welchen klassischen Modedesigner, welche klassische Modedesignerin verehre Sie/finden Sie gut?

Coco Chanel. Sie hat die Damenmode komplett revolutioniert.

Welche Modemarken finden Sie gut und warum?

Da gibt es einige. Vor allem alle, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben, wie zum Beispiel Armedangels oder Veja.

Wo sehen Sie die Mode in 5 Jahren?

Es wird sich in den nächsten Jahren viel verändern. Vor allem in Bezug auf Arbeitsbedingungen und Materialien. Nachhaltige Modelabels werden mehr und die „Großen“ sehen auch, dass sie SO nicht weitermachen können. Es ist vielleicht nur ein Wunschdenken, aber vielleicht werden sogar einige Materialien verboten.

Was bedeutet für Sie Mode und was begeistert Sie an der Arbeit mit Mode?

Mode ist für mich unsere zweite Haut. Sie strahlt unsere Persönlichkeit aus. Wenn man etwas trägt, das einem gar nicht gefällt, ist man nicht sich selbst. Wenn neue Stücke fertig sind, ich sie meinen Kundinnen präsentieren kann und sie genauso begeistert davon sind wie ich.

Was begeistert Sie im Leben?

Wenn ich etwas erschaffen kann.

Designen Sie Ihre Kleidung selbst?

Ja. Natürlich gibt es auch Dinge, die ich mir kaufe. Jeans, Schuhe, Jacken, Unterwäsche. Alles kann ich leider nicht selber machen :)

Was tragen Sie am liebsten?

Im Sommer Kleider, im Winter Jeans. Meistens kombiniert mit Sneakers.

Anja Lauermann (Foto: © Michaela Mejta)

Wie nachhaltig kann Mode sein?

Sehr! Wenn man keine Masse produziert, bei der die Hälfte eh nicht verkauft wird, auf die Materialien achtet und faire Löhne zahlt, kann jede Mode nachhaltig sein.

Sind Sie zuversichtlich, dass endlich mehr passiert, wie z.B. Entschleunigung, weniger Masse, weniger Gifte, Plastik und Emissionen, mehr faire Produktion, mehr Recycling?

Es gibt ein afrikanisches Sprichwort, das mich inspiriert: „Wenn an vielen kleinen Orten, viele kleine Menschen, viele kleine Dinge tun, wird sich das Angesicht unserer Erde verändern.“ Die jetzige Situation bietet uns eine enorme Chance für ein breites Umdenken in der Gesellschaft. Allerdings müssen alle zusammenarbeiten! Jeder von uns, der ein nachhaltiges Leben führt, kann seine Mitmenschen auch davon überzeugen. Und das besser früher als später. Aber ja, ich bin zuversichtlich.

Welches nachhaltige Material mögen Sie am liebsten?

Bio-Baumwolle. Für vieles einsetzbar und pflegeleicht.

Welches Basic Kleidungsstück sollte man haben und warum?

Ein schlichtes Kleid. Wenn man es unterschiedlich kombiniert, ist es bei allen Anlässe tragbar. Mit eleganten Schuhen kombiniert fürs Büro oder Theater, mit Sneakers und Jeansjacke in die Bar.

Hier geht es zum Ethik.Guide Eintrag von Anja Lauermann.

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Ein Artikel von Ines
veröffentlicht am 17.11.2020
Wienerin mit einer Vorliebe für experimentelles Kochen (probiert immer neue Rezepte aus), Reisen, Yoga (seit 2019 Yogalehrerin) und gepflegtem Nichtstun. Beim Ethik.Guide zuständig für das Marketing, schreibt aber auch manchmal Blogbeiträge.

Ein Kommentar

  • Ernst Lauermann Dr sagt:

    Toller Artikel, die wichtigsten Dinge auf den Punkt gebracht.

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