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Faire Smartphones: Gibt es das?

Skandale rund um die Arbeitsbedingungen und Umweltschäden beim Rohstoffabbau für Elektrogeräte zeigen, dass die Produktion unseres meistgenutzten Geräts – dem Handy – viele Probleme mit sich bringt. Alternativen wie das Fairphone und Second-Hand Optionen wie Refurbed bieten Möglichkeiten, um hier auf fairere und transparente Alternativen zurückzugreifen. Heute soll es darum gehen, wie gut diese wirklich sind und welche Vor- und Nachteile es gibt.

Faire Smartphones wie die von Refurbed und Fairphone bieten nachhaltige und ethische Alternativen zu herkömmlichen Geräten (Foto: Pixabay, Pexels)

Die nachhaltigste Variante ist sicherlich, das Smartphone so lange wie möglich zu benutzen. Mithilfe von einigen Tricks kannst du die Lebensdauer verlängern. Wenn doch irgendwann ein neues Gerät her muss, achte auf Transparenz der Lieferketten und die Herkunft verwendeter Rohstoffe sowie ethische Richtlinien.

Fairphone

Eine Alternative bietet das Fairphone. Dieses existiert bereits in der 5. Generation und sorgt bei vielen für Begeisterung. Mit einem preislich etwas höher gesetzten Gerät bekommt man fünf Jahre Garantie. Außerdem kann man die einzelnen Bestandteile bei Problemen leicht selbst austauschen. Die Ersatzteile wie Kamera, Akku, Lautsprecher und Display können auf der Website nachgekauft werden. Die Akkulaufzeit (ca. 8 Stunden) und die Helligkeit des Bildschirms können mit „herkömmlichen“ Modellen leider nicht mithalten. Dafür bietet es eine gute Kamera sowie Schmutz- und Spritzwasserschutz.

Das Fairphone hat einen CO₂-Fußabdruck von 42,1 Kilogramm bei einer Nutzung von drei Jahren. Im Vergleich, das IPhone 15 Pro hat einen Fußabdruck von 66 Kilogramm CO₂-Äquivalenten. Auch von mehreren Expert*innen wird das Fairphone gelobt und als eine gute Alternative zu herkömmlichen Anbietern empfohlen (Studie Deutsche Umwelthilfe). Außerdem ist es der erste Smartphonehersteller, welcher Fairtrade Gold in seinen Produkten verwendet. Gerade bei der Goldgewinnung werden oft Menschen ausgebeutet und die Umwelt zerstört.

Im 2020 erschienenen ‚Fairphone 5 Life Cycle Assessment‘ listen unabhängige Wissenschaftler*innen auf, wie viele der Bestandteile aus recycelten Rohstoffen bestehen. Auch wenn dies bei manchen Stoffen über 90% waren, gibt es immer noch ein Problem – die verwendete Energie. Denn insbesondere Strom ist in der gesamten Lieferkette von Smartphones ein sehr relevanter Faktor. Die Verwendung von recycelten Materialien vermeidet zwar die Gewinnung von Neuen, erfordert jedoch ebenfalls viel Energie. Dieses Problem konnte das Fairphone bis heute noch nicht wirklich minimieren. Dennoch ist es ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit.

SHIFTphone

Auch das SHIFTphone ist eine nachhaltige Alternative im Vergleich zum schnelllebigen und oft kurzlebigen Markt der Smartphones, da es auf Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und faire Produktionsbedingungen setzt. Die Firma mit Sitz in Deutschland stellt wie das Fairphone Ersatzteile für die eigene Reparatur zum Kauf zu Verfügung. Oft werden Handys aufgrund eines schlechten Akkus oder anderer kleiner Fehler weggeschmissen. Das kann so vermieden werden.

Ein weiterer Anbieter ist Teracube, welcher ebenfalls eine ökologischere Alternative bietet. Das Teracube 2e kommt mit einem neuen, leicht selbstaustauschbaren Akku. Andere Bestandteile, wie Kamera oder Bildschirm, lassen sich allerdings nicht austauschen.

Der grundsätzliche Unterschied von SHIFTphone und Teracube im Vergleich zum Fairphone liegt darin, dass Fairphone transparenter in Bezug auf seine Produktionsmethoden und die Herkunft seiner Materialien ist. Dies bewerkstelligen sie durch unabhängige Überprüfungen und durch ihre Marktgröße, mit der die beiden anderen Firmen derzeit noch nicht mithalten können.

Refurbished – so gut wie neu

Eine andere Möglichkeit, um die Umwelt weniger durch neue Rohstoffe zu belasten, ist, wiederaufbereitete Smartphones zu kaufen. Gebrauchte Elektrogeräte werden refurbished – zu Deutsch runderneuert, also repariert, geputzt und so gut es geht in den Zustand eines neuen Handys versetzt. Die Smartphones kommen aus verschiedenen Quellen, meist aber aus Austauschprogrammen (bei denen Kund*innen ihre alten Geräte gegen eine Vergütung oder einen Rabatt auf neue Produkte eintauschen), Rücksendungen von Kund*innen, überschüssigen Lagerbeständen oder überholten Geräten, die an die Hersteller zurückgeschickt wurden.

Refurbed ist wohl der bekannteste Anbieter von refubished Smartphones. Weiters bieten sie auch Asgoodasnew oder Backmarket an. Diese Geräte sind nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch wesentlich günstiger als neue. Für Fans bestimmter Marken bieten sie außerdem eine gute Alternative, um auf eine nachhaltigere Variante zurückzugreifen.

Fazit

Das nachhaltigste Smartphone ist immer noch das, das wir bereits besitzen. Deshalb sind Marken, bei denen man einzelne Teile nachkaufen und austauschen kann, besonders wertvoll, da sie die Lebensdauer der Geräte verlängern und somit einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Elektromüll leisten. Handys sind heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Darum ist es wichtig, sich und andere darüber zu informieren, was hinter deren Produktion steckt. Gleichzeitig kannst du auf die Lebensdauer deines Geräts achten und nachhaltigere Alternativen wählen.

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Ein Artikel von Katharina Abl
veröffentlicht am 9.07.2024

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