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Kleiderrecycling – das schwierige Erbe der Baumwollplantagen

Recycling von Altkleidung ist noch gänzlich unbekannt bei uns. Und dies, obwohl Textilien, allem voran Baumwolle, in riesigen Mengen für den Weltmarkt hergestellt werden müssen. Das hinterlässt natürlich auch Berge von Textilmüll, welche bis heute nicht sinnvoll höherwertig wiederverwendet werden können. Warum es so schwierig ist, Jeans, T-Shirts und Co zu recyceln, schauen wir uns in diesem Artikel an.

Nicht nur die Umwelt leidet an dem hohen Pestizideinsatz in der Baumwollproduktion. LandwirtInnen haben gesundheitliche Probleme durch den massiven Einsatz der Gifte. (Foto: Pixabay, Jim Black)

Die Kleidungsindustrie als Klima- und Umweltsünderin

Der Aralsee war bis in die 60er-Jahre der viertgrößte See der Welt, heute ist nur noch knapp ein Sechstel davon übrig. Früher eine florierende Fischer- und Hafenstadt, ist Aralsk heute durch die Austrocknung knapp 25 km vom extrem salzigen Wasser des übrig gebliebenen Gewässers entfernt. Eine ökologische Katastrophe für die gesamte zentralasiatische Region. Wie konnte das passieren? Grund für die Austrocknung ist der langjährige extensive Baumwollanbau in der Region, textiler Rohstoff für den Weltmarkt. Die Pflanzen benötigen sehr viel Wasser und dieses wurde ab den 50er-Jahren den Zuflüssen des Aralsees entnommen. So lange, bis es zu spät war und fast nur noch eine Salzwüste übrig blieb.

Dies ist nur ein Beispiel für die weitreichenden Konsequenzen, welche die Bekleidungsindustrie mit sich bringt. Die Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf die Natur und Lebensräume. Auch für Menschen hat es direkte Auswirkungen, wie die regelmäßigen Katastrophen in Bangladesch mit Tausenden Toten in den Nähfabriken zeigen. Man könnte die Liste der globalen Folgen der Bekleidungsindustrie beliebig weiterführen. Denn sie ist einer der größten globalen Klimasünder und stellt auch den Flugverkehr als CO2-Schleuder locker in den Schatten.

Durch Apps wie TikTok sind Modetrends noch schnelllebiger geworden. Oft entspricht ein Stück nur wenige Wochen dem aktuellen Trend. Die Modeindustrie muss in all ihren Facetten zur Verantwortung gezogen werden. (Foto: Pexels, Los Muertos Crew)

Im Jahr 2014 wurden weltweit 100 Milliarden Kleidungsstücke hergestellt, Tendenz steigend. Besonders problematisch ist das sogenannte “Fast Fashion”: billig hergestellte Kleidung aus minderwertigen Materialien, welche immer kürzer getragen werden. Es kommt billig auf den Markt und landet alsbald auch schon auf dem Müll. Die drei Großen der Industrie, Zara, H&M und Primark, machten 2020 zusammen einen Umsatz von fast 45 Milliarden Euro. Der Großteil der Ware ist aus Baumwolle und der Markt benötigt dieses Einweg-Material in riesigen Mengen. Da hilft es auch wenig, dass immer mehr Bio-Baumwolle verwendet wird. Es ist wahr, dass dafür weniger Pestizide verwendet werden, und die Baumwollindustrie macht ca. 13 Prozent des Welt-Pestizidverbrauchs aus. Aber am massiven Wasserverbrauch ändert auch Bio nicht wirklich was, denn Angaben zu Wasserverbrauch variieren, je nach Quelle gewaltig und der geringere Wasserverbrauch des biologischen Baumwollanbaus ist umstritten. Hinzu kommen noch lange Transportwege und die aufwändige Herstellung der Kleidung.

Altkleiderrecycling ist gut – sinnvolles Konsumieren noch viel besser

Bei all der Umweltbelastung und dem Aufwand, der für die Herstellung von Kleidung aufgebracht wird, stellt sich die Frage: Warum spielt Recycling bei Kleidung eigentlich keine Rolle? In Österreich stehen viele Container für die Wiederverwertung von Glas, Metall, Papier etc. zur Verfügung. Für Bekleidung gibt es nur Sammelcontainer, die Klamotten landen dann in Second Hand Läden und werden weiterverkauft für karitative Zwecke. Die kaputten und unbrauchbaren Stücke werden geshreddert und zu Putzlappen und Malervlies verarbeitet.

Viele Firmen und auch Forschungsinstitute weltweit arbeiten daran, aber im Moment ist es nicht möglich, im großen Stil Baumwolle und überhaupt Kleidung sinnvoll zu recyceln. Es gibt bereits erprobte Technologien, jedoch sind diese technisch noch in den Kinderschuhen und haben immer auch schwerwiegende Nebenwirkungen. Eine der Herausforderungen sind die Materialverbindungen, also Baumwolle und Kunststoffe, wie sie in den meisten Jeanshosen verarbeitet sind. Um wieder reine Baumwolle zu bekommen, muss dieses erst von Elastan und Co getrennt werden. Dies geschieht entweder in einem chemischen Prozess, bei dem ein Bauwollbrei entsteht. Diese Variante ist sehr umweltbelastend. Eine andere Möglichkeit ist das mechanische “Zerzupfen” des Gewebes, was jedoch relativ kurze Fasern übrig lässt und energieaufwendig ist. Genauso wie beim chemischen Verfahren müssen noch immer bis zu 70 Prozent neue Baumwollfasern eingewebt werden, damit die Qualität am Ende zufriedenstellend ist. Diese Methoden sind von Wirtschaftlichkeit und Effizienz noch weit entfernt.

Baumwolle lässt sich noch nicht zufriedenstellend recyceln, vor allem wenn sie mit Kunstfasern gemischt ist (Foto: Pixabay, Myriams-Fotos)

Neuerdings wurde eine EU-Richtlinie beschlossen, welche ab 2025 die Getrenntsammlungspflicht für Alttextilien vorsieht. Was dann genau damit passieren soll, ist jedoch unklar. Zumindest sollen alte Pullis und Hosen nicht mit dem Hausmüll weggeworfen werden, auch wenn Recycling technisch noch nicht möglich ist. Die EU wertet diese Regelung jedenfalls als Schritt nach vorne in der Müllvermeidung. Der Verein FairWertung sieht dies ein wenig anders. Sie ist der Dachverband gemeinnütziger Organisationen in Deutschland, welche Altkleider sammeln. Diese sieht Recycling und auch die EU-Richtlinie problematisch. Der Fokus sollte nicht auf der Wiederverwertung massenhaft hergestellter Rohstoffe liegen, sondern auf der Reduktion des Konsums. Eine neue Haltung in der Modeindustrie wird gefordert.

Die Menschen sollten seltener, dafür höherwertige Kleidung kaufen, welche lange getragen werden kann. Auch mehr Gelder für die Recycling-Forschung seien nötig, denn am Ende müssen Textilien ja doch einmal entsorgt werden. Aber Recycling sollte nicht die Richtung vorgeben, sondern am Ende auch die hochwertigste und am längsten getragene Kleidung wiederverwertbar machen. Eine gigantische Wirtschaftsmaschinerie als Einbahn aufrecht zu erhalten sei hingegen falsch. Kreislaufwirtschaft und mehr Herstellerverantwortung ist laut FairWertung der richtige Weg. Dem ist nichts hinzuzufügen. Bis dahin sind wir KonsumentInnen aufgerufen, beim Einkauf genauer hinzuschauen. Wie viel Mode brauchen wir und was lösen wir mit unserem Konsum global aus? Hier hilft der Ethik Guide natürlich am besten weiter.

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Ein Artikel von Levente
veröffentlicht am 2.08.2022
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