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Leihen statt kaufen – Aber wie?

Bei den Nachbarn zu läuten um etwas auszuleihen, das kann für manche eine richtige Herausforderung sein. Doch können wir viele Ressourcen sparen und die Umwelt schonen, wenn wir Dinge für den Alltag miteinander teilen. Wir alle haben etwas, das wir selten benutzen und das wir daher auch mal anderen geben können. Zum Wohle aller, schliesslich schafft es auch soziale Vernetzung in einer immer anonymer werdenden städtischen Gesellschaft. Hier ein paar Tipps und Onlinetools, welche das Ausleihen noch einfacher machen.

Eine äußerst klimafreundliche Angewohnheit ist es, Dinge, die nicht ständig in Gebrauch sind, auszuborgen statt zu kaufen. (Foto: Unsplash, Kelly Sikkema)

Im Ethik.Guide, dem Einkaufsführer für fairen und nachhaltigen Konsum, findest du in der Kategorie Putzen & Waschen zahlreiche Reinigungsmittel-Marken, die ökologisch und tierleidfrei sind. Ebenso gelistet sind nachfüllbare Reinigungsmittel und ökologische Waschsalons.

Erst vor ein paar Tagen am 29. Juli, also mitten im Jahresverlauf, war der sogenannte World Overshoot Day. Also jener Tag im Jahr, an dem die menschliche Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen das Angebot und die Kapazität der Erde zur Reproduktion dieser Ressourcen in diesem Jahr übersteigt. Vereinfacht gesagt: Wir leben immer mehr über unseren Verhältnissen und beuten die Natur und die Ressourcen anhaltend aus. Aber wir können es beeinflussen, das zeigte sich im Corona-Jahr 2020, als der Stichtag fast einen Monat nach hinten rückte. Weniger Konsum wirkt sich aus und jede und jeder kann sich überlegen, wie man/frau ein Zeichen setzen kann. Ob das nun ein veganer und damit ressourcenschonender Lebensstil ist, der Verzicht auf das Auto oder schlicht weniger Güter zu besitzen: der stete Tropfen höhlt den heißen Stein.

Ein Beitrag zur Senkung des Verbrauches an nachwachsenden Rohstoffen ist klarer Weise, den Neukauf von Waren zu minimieren. Wenn ich einen Bohrer, andere Werkzeuge, eine Leiter, ein Fahrrad oder ein Musikinstrument für ein Wochenende benötige, muss ich es dann unbedingt neu kaufen? Viele Produkte werden oft umweltschädlich hergestellt und dann über die Weltmeere verschifft, um dann nur selten verwendet zu werden. Wahrscheinlich befinden sich in jedem Wohnhaus in Wien mit 40 Parteien mindestens 20 fast neuwertige Bohrmaschinen, welche jeweils gerade mal fünf Tage im Jahr in Verwendung sind. Und dies wird mit vielen anderen Produkten auch so sein.

Mehr Miteinander

Also warum nicht auch einfach mal ausleihen? Zum Beispiel beim Nachbarn, ohne lange Wege. Die Leihe ist mit sozialer Interaktion und mit Vertrauen in andere Menschen verbunden, die man vielleicht gar nicht kennt. So ist wohl den meisten auch Paul Watzlawick´s berühmte Geschichte mit dem finalen Zitat “Behalten Sie doch Ihren Hammer, Sie Rüpel!” ein Begriff. Der Umgang mit fremdem Eigentum ist in unserer Kultur der Abgrenzung nicht immer einfach und oft ist da die Angst, dass wir uns damit unheilvoll in nachbarschaftliche Geplänkel verstricken. Und man sich vielleicht Monate lang im Stiegenhaus aus dem Weg geht. Im ländlichen Raum ist die Tradition, mit Nachbarn auch Zweckgemeinschaften einzugehen, nach wie vor verbreiteter, als in der anonymen Großstadt. Doch kann es sich lohnen, trotzdem einfach mal zu klingeln. Meist sind die Sorgen unbegründet, man trifft ja auf wohlwollende Menschen und in einigen Fällen gehen aus solchen Kontakten auch Freundschaften hervor.

Teilen spart nicht nur Treibhausgase, Energie und Geld, sondern bietet die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen. (Foto: Pixabay, heinzremyschindler)

Apps und Websites

Um diese Hürde zu überwinden, gibt es Apps auf dem Markt, welche dabei helfen, VerleiherIn und EntlehnerIn zusammenzubringen: ein Beispiel ist WeeShare. Man macht mit dem Handy ein Foto und postet den Standort des Gegenstandes und stellt es online. Dann kann jemand aus der Nähe die EntlehnerIn anfragen, ob die gewünschte Sache ausleihbar ist. Es lässt sich ein Kalender führen oder auch Gruppen-Chats einrichten, um Bedingungen für die Nutzung und Abholung und Rückgabe zu organisieren. Auch lassen sich exklusive Personengruppen erstellen, sodass nur Bekannte und Freunde die Angebote sehen können, oder einen anderen Standort für den Gegenstand zuordnen, etwa für ein Boot an einem See.

Ebenfalls Verbreitung finden Online-Plattformen, auf welchen die Angebote von Privatpersonen gesammelt und kategorisiert werden. Die Vereinbarungen kommen unter den Privatpersonen zustande, die Plattformen sind die Vermittler. In Österreich ist das shareonimo.at, wo man seine Sachen zum ausleihen posten kann. Außerdem bietet es auch die Vermittlung von Dienstleistungen, Immobilien etc. an. Das Ausleihen ist jedoch mit einer Gebühr verbunden, also eigentlich eine Miete.

Gebührenfrei, also näher an der ursprünglichen Idee der nicht-kommerziellen Nachbarschaftshilfe, ist Fairleihen (derzeit nur in Berlin). Die einzige Bedingung zum Mitmachen ist, dass man selber etwas anbietet.

Leihort

Einen ganz anderen Weg geht in Wien die Bibliothek der Dinge – Leila. Hier werden nicht Privatpersonen miteinander verbunden, denn Leila funktioniert als stationäres Geschäft, welches ihr buntes Sortiment nicht verkauft, sondern verleiht. Du blätterst online durch den Katalog und kannst dir dann den Bohrer, die Kochutensilien, Tennisschläger oder die Gitarre im Geschäftslokal abholen. Es wird auch hier eine geringe Gebühr pro Tag eingehoben.

In der Dingelei(h) in der Stadtbibliothek Linz kannst du ebenfalls online durchschauen was es zum Ausborgen gibt und was noch nicht ausgeborgt ist. Für BibliothekskundInnen ist das Angebot kostenlos.

Die WeDress Collective ist ein digitaler Kleiderschrank – eine Plattform, über die Privatpersonen Schönes und Edles aus ihrem Kleiderschrank verleihen. Gegen eine relativ kleine Leihgebühr kannst du dir für verschiedene Anlässe ein extravagantes Kleidungsstück ausborgen.

Nachbarschaft +

Eine allgemeine Nachbarschaftsplattform bietet fragnebenan.com, hier kann man sich vernetzen, sich zum kochen oder zu anderen Events verabreden oder auch Dinge ausleihen. In der Schweiz kann man Sticker mit verschiedenen Gegenständen darauf kaufen und sie am Briefkasten befestigen, damit die Nachbarn sehen können, was man zu verleihen hat. Pumpipumpe ist damit nah am ursprünglichen Community Building in der Nachbarschaft. Es gibt zwar einen Vermittler (die Sticker gibt es für eine Gebühr), anklingeln muss man bei der Nachbarin oder dem Nachbarn aber noch selber und das Leihen sollte auch nichts kosten.

Fazit

Wie in so vielen Bereichen wird auch selbstloses Handeln und nachbarschaftliches Teilen oft von der Marktwirtschaft vereinnahmt und wandelt sich zum Business, also zum Teilen mit wirtschaftlichem Fokus. So werden dann einfache Mitfahrgelegenheiten zu milliardenschweren Transportunternehmen wie Uber umfunktioniert, welches auch mit der Idee des Teilens von Wegstrecken gestartet hat. Ebenso AirBnB, welches als “Urlaub bei Freunden” begann und durch die anschließend professionelle Vermietung von Wohnungen in Städten weltweit zu immensen Preissteigerungen bei Mieten geführt hat. Couchsurfing war ein guter Ersatz, ist aber auch schon zum kommerziellen Anbieter geworden.

Und trotzdem: Wenn wir wirklich etwas mit unseren Mitmenschen teilen wollen, gibt es immer einen Weg. Egal ob in Eigeninitiative oder über eine App oder eine Plattform. Wenn wir offen für unsere Mitmenschen sind und sie ansprechen, wenn wir etwas brauchen, und ihnen mit dem helfen, was wir selber zur Verfügung haben, dann können wir den Zwängen von Konsum und Kapitalismus anders begegnen. Wir helfen dadurch der Umwelt, schonen Klima und Ressourcen und finden Gemeinschaft und Freunde.

Hier nochmal alle Links und mehr:

  • WeeShare App zur Vermittlung zwischen Privatpersonen, die verleihen und leihen wollen.
  • shareonimo.at Website zur Vermittlung zwischen Privatpersonen, die verleihen und leihen wollen. Allerdings gegen eine kleine Gebühr.
  • Fairleihen Berliner Leih-Plattform ohne Gebühren.
  • fragnebenan.com Nachbarschaftsvernetzung
  • Pumpipumpe Nachbarschaftsvermittlung in der Schweiz
  • Leila Wiener Geschäft zur Entlehnung von Dingen gegen eine kleine Gebühr.
  • Dingelei(h) Kostenlose Entlehnung von Gegenständen bei Bibliotheksmitgliedschaft in Linz.
  • WeDress Collective Plattform zu Verleihung und Entlehnung von edlen Kleidungsstücken in Wien, Berlin und München. Gegen Gebühr.
  • The Vienna Fashion Library Gegen eine Leihgebühr können in dem Wiener Geschäft verschiedenste Kleidungsstücke ausgeborgt werden, inklusive Beratung.
  • Klimaentlaster Kostenlos E-Transporträder leihen, in Amstetten, Mattersburg und Freistadt.
  • Eddi Fahrrad monatsweise mieten in Wien, inklusive Reparaturen.
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Ein Artikel von Levente
veröffentlicht am 5.08.2021