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Wildkräuter für die Frühlingsküche

Der Frühling steht in den Startlöchern, es zieht uns nach draußen und spazieren gehen ist sowieso gerade voll im Trend ;) Warum dann also nicht gleich das eine mit dem anderen verbinden und Wildkräuter sammeln!? Du wirst staunen, was alles vor deiner Haustüre zu finden ist. Die Gastautorin Barbara Janu von Naturnah begleiten stellt die fünf besten Frühlingskräuter vor und verrät, zu welchem Rezept sie die am liebsten verarbeitet.

Frühjahrsmüdigkeit? Streue einfach ein paar Wildkräuter auf dein Brot, deine Supper oder in deinen Smoothie. (Foto: Barbara Janu)

Ein paar wichtige Dinge vorab:

  • Sammle und verwende nur Pflanzen, die du zu 100% sicher bestimmen kannst
  • Informiere dich gut über mögliche Kontraindikationen und hol dir wenn nötig Rat bei deiner Hausärztin/deinem Hausarzt
  • Pflücke nur geringe Mengen, welche du auch wirklich verwendest (frische Kräuter haben viel „Power“, daher reicht eine kleine Menge völlig aus)
  • Schädige die restliche Pflanze nicht und sammle niemals den gesamten Pflanzenbestand an einem Ort
  • Achte auf den Natur-und Artenschutz
  • Nicht bei stark befahrenen Straßen, gedüngten Feldern oder in Naturschutzgebieten sammeln
  • Verwende am besten einen Korb oder Stoffbeutel zum sammeln, keinen Plastikbeutel

Nachfolgend nun ein paar typische Frühlingsboten, welche sich wunderbar für den Einsatz in der Küche eignen. Sie schmecken toll und liefern eine extra Portion Energie, um sich gegen eine eventuell aufkommende Frühjahrsmüdigkeit zu wappnen :)

Giersch (Aegopodium podagraria)

Der Giersch ist ab März/April zu finden. Er fühlt sich sowohl im Wald, an Wald- und Wegesrändern, als auch ganz oft in Gärten sehr wohl. Ein tolles Wildgemüse, welches sich von selbst ansät sozusagen. Giersch schmeckt leicht nach Karotten, würzig-mild und ist bereits lange als Heilpflanze gegen Gicht bekannt.

Die Blätter können für Salate, Getränke, Smoothies, Suppen, Strudel und Aufstriche verwendet werden. Er enthält neben Eiweiß auch viel Vitamin C sowie Carotin.

Leider wird der Giersch oft als Unkraut verteufelt. Dabei lässt sich dieses gesunde Grün zu verschiedensten Speisen verarbeiten. (Foto: Pixabay, Hans)

Gänseblümchen (Bellis perennis)

Eine sehr bekannte und bereits von Kindern geliebte Pflanze ist das Gänseblümchen. Es ist jedoch nicht nur schön anzusehen, sondern findet auch Verwendung in der Kräuterküche. Ab März können Blätter und Blüten gesammelt werden, aber nicht zu viele auf einmal, damit auch noch die ersten Insekten Nahrung finden können.

Die nussig-mild schmeckenden Blüten und Blätter des Gänseblümchens können roh verwendet werden. Beispielsweise im Salat, in Aufstrichen oder auch für Kräuterbutter. Da das Gänseblümchen schleimlösend, entzündungshemmend und auswurffördernd wirkt, eignet es sich gut für Hustentee, vor allem bei Kindern. Außerdem fördert es den Stoffwechsel.

Schaut nicht nur hübsch aus – das Gänseblümchen besticht durch seinen mild nussigen Geschmack und seine entzündungshemmende Wirkung. (Foto: Barbara Janu)

Löwenzahn (Taraxacum officinale agg.)

Oft als sogenanntes „Unkraut“ abgestempelt wird der Löwenzahn. Dabei hat er einiges zu bieten, wirkt er doch z.B. verdauungsfördernd, appetit- und stoffwechselanregend. Ab März sind erste Blätter zu finden und bald auch die gelb leuchtenden Blüten. Je älter die Blätter werden, umso bitterer schmecken sie. Sie sollte jedoch nicht gewässert werden, da sonst die wertvollen Bitterstoffe weggespült werden. Wer die Blätter für den Salat nutzen möchte, kann den bitteren Geschmack durch Zugabe von Apfel, Birne, Kartoffel oder Mais mildern.

Löwenzahnblätter eignen sich außerdem gut für Strudel oder Smoothies. Die Blüten können zu Löwenzahn-„Honig“ weiterverarbeitet werden oder roh über Salate oder Desserts gegeben werden. Getrocknete und gemahlene Löwenzahnwurzel eignet sich als regionale Kaffeealternative. Mit Inhaltsstoffen wie Kalium, Eisen, Zink, den Vitaminen C, K, A und E sowie den Bitterstoffen ist er ein wahres Power-Paket. Bei Magen-Darm- und Gallenproblemen sollte er nur nach Rücksprache mit einer Ärztin/einem Arzt verwendet werden.

Löwenzahn wächst überall. Du musst ihn nur noch pflücken und zubereiten. Oder du naschst ihn gleich direkt von der Wiese. (Foto: Unsplash, Viridi Green)

Spitzwegerich (Plantago lanceolata)

Eine ebenso sehr vielseitige Pflanze ist der Spitzwegerich. Ab März sind erste junge Blätter zu finden, welche sich super für die Frühlingsküche eignen und in Salaten, Aufstrichen oder Smoothies Verwendung finden.

Wer Lust hat, kann auch ein leckeres Pesto zubereiten. Die Knospen schmecken roh leicht nussig, gemeinsam mit den Blättern zu einer Suppe gekocht erinnert der Geschmack an eine Champignonsuppe. Die Samen können wie Leinsamen verwendet werden. Spitzwegerichtee kann bei Atembeschwerden und Entzündungen der Mundschleimhaut gute Dienste erweisen. Spitzwegerich wirkt reizmildernd, antibakteriell, wundheilungsfördernd und enthält Zink, Kalium, Kieselsäure sowie Schleim- und Gerbstoffe. Erste Hilfe kann der Spitzwegerich auch bei kleineren Verbrennungen, Kontakt mit Brennnesseln, kleinen Schnitten oder Insektenstichen leisten: Ein Blatt gut zerreiben, sodass Pflanzensaft austritt und es dann auf die betroffene Stelle auflegen.

Spitzwegerichtee wirkt reizmildernd und antibakteriell. Zugleich schmeckt er angenehm mild und hat eine wunderschön grüne Farbe. (Foto: Pixabay, cornelinux)

Brennnessel (Urtica dioica)

Auch die Brennnessel kann als heimisches „Superfood“ betrachtet werden und liefert neben Eiweiß auch Kalium, Calcium und Eisen. Die ersten kleinen Blätter lassen sich ab März blicken. Junge Blätter und Triebspitzen sind toll für Smoothies, Aufstriche, Spinat, Strudel oder frischen Tee. Und keine Angst – die Brennhaare werden durch mixen oder kochen zerstört.

Die Samen der Brennnessel passen super ins Müsli, in Salate oder als Topping auf Suppen und Bowls. Die Brennnessel hat eine unterstützende Wirkung auf die Harnwege und kann bei rheumatischen Beschwerden hilfreich sein. Sie wirkt harntreibend und entzündungshemmend. Bei Nieren- und Herzerkrankungen sowie Ödemen nicht verwenden.

Wer kennt es nicht, das schmerzhafte Gefühl unabsichtlich in eine Brennnessel gegriffen zu haben? Wenn du sie zu einem Smoothie zerhäckselst und dann verschlingst, ist all ihre Kraft dein. (Foto: Barbara Janu)

Frühlingsrezept – WILDKRÄUTER-Aufstrich

Alle genannten Frühlingskräuter können wunderbar einzeln oder gemeinsam in diesem einfachen Rezept verarbeitet werden. Toll aufs Brot oder auch zum Dippen mit Gemüse :)

Du brauchst:

  • 250g Sonnenblumenkerne (über Nacht in 500ml Wasser eingeweicht)
  • 10 EL Haferdrink
  • Zwei Hände voll frische Frühlingskräuter nach Wahl
  • Saft einer halben Zitrone
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • Eine Prise (Kräuter-)Salz
  • Eine Prise Pfeffer
  • Optional: 1 TL Nussmus (Cashew, Mandel)

Zubereitung:

Die eingeweichten Kerne abseihen, die Kräuter waschen und gemeinsam mit dem Knoblauch klein hacken. Kerne, Zitronensaft, Knoblauch, Nussmus und Hafermilch vermischen und pürieren bzw. fein mixen. Die gehackten Kräuter hinzufügen und würzen. Falls der Aufstrich cremiger sein soll, erneut pürieren.

Ideal zum Mitnehmen für den ersten größeren Frühlingsausflug. (Foto: Barbara Janu)

Barbara Janu ist diplomierte Lebens- und Sozialberaterin, zertifizierter pferdegestützter Coach, diplomierte Praktikerin der traditionellen europäischen Heilkunde und schon immer ein tierliebes Naturkind. Neben den bereits genannten Feldern bietet sie mit „Naturnah begleiten“ auch Wildkräuter- und Nachhaltigkeitsworkshops an. Auf Facebook und Instagram postet sie Tipps und vegane Rezepte.
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Ein Artikel von der Ethik.Guide-Redaktion
veröffentlicht am 16.03.2021