Löst Recycling wirklich unser Plastikmüllproblem?

Wir haben ein gewaltiges Müllproblem. 7,6 Milliarden Menschen produzieren gemeinsam jährlich rund zwei Milliarden Tonnen Haushaltsabfälle. Industriemüll und andere Abfälle kommen noch dazu. Zuletzt prognostizierte die Weltbank in ihrem Bericht “What A Waste”, dass bis 2050 voraussichtlich 70 Prozent mehr Müll produziert werde, sollten bis dahin keine Gegenmaßnahmen unternommen werden. Während das weltweite Bevölkerungswachstum ein Teil des Problems sein wird, trägt auch das Konsumverhalten in den Industriestaaten und das Missmanagement von Rohstoffen zu dieser Umweltkatastrophe bei. In diesem Artikel wird einer der problematischsten Anteile des wachsenden Müllbergs näher betrachtet: unser Plastikmüll.

Plastikmüll gilt als eines der größten Probleme im 21. Jahrhundert. (Foto: Unsplash, Nick Fewings)

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Weniger als ein Drittel der Kunststoffabfälle in Europa wird recycelt!

In Europa ist die Energierückgewinnung die am häufigsten genutzte Methode zur Entsorgung von Plastikmüll, gefolgt von der Deponierung. 30 Prozent aller anfallenden Kunststoffabfälle werden für das Recycling gesammelt. Die Recyclingquoten variieren jedoch von Land zu Land. Der geringe Anteil des Kunststoff-Recyclings in der EU bedeutet große Verluste für Wirtschaft und Umwelt.

Die EU-Abgeordneten unterstützten im September 2018 eine europäische Plastikstrategie, in der gefordert wird, dass alle Verpackungsabfälle aus Kunststoff bis 2030 recycelbar sein müssen.

Wenn man von den vermeintlichen Weltmeistern in Recycling spricht (Deutschland, Südkorea, Slowenien, Österreich und Belgien), muss man dennoch genauer hinschauen. Laut einer Liste der OECD von 2015 gilt Deutschland hier als eindeutiger Gewinner im Bereich „Recycling und Kompostieren“. 65 Prozent vom generierten Müll werden laut Angabe recycelt, bei 20 Prozent erfolgt „Verbrennung mit Energierückgewinnung“ und 15 Prozent werden komplett verbrannt (also ganz ohne Energierückgewinnung).

Jedoch sollte man bei so hohen Recycling Quoten schon aufmerksam werden und die Zahlen nochmals überprüfen. Laut Plastikatlas, den die Heinrich-Böll-Stiftung und BUND gemeinsam 2019 veröffentlichten, wird genau aufgezeigt, was mit den Kunststoff-Abfällen, die in deutschen Haushalten und im Gewerbe anfallen, passiert: 60 Prozent des Mülls werden „energetisch verwertet“. Das klingt erst mal gut – heißt aber nichts anderes als: Der Müll wird verbrannt. Die restlichen 40 Prozent werden offiziell recycelt. Aber Achtung: Ein Drittel dieser 40 Prozent wird für Recycling Zwecke ins Ausland exportiert und danach können die Zahlen nur noch schwer verfolgt werden. Am Ende werden also nur 15 – 17 Prozent nachvollziehbar recycelt.

In Deutschland kommt jedoch noch das positive Bild hinzu, dass man auf PET Flaschen Pfand erhält. Hierdurch schafft es Deutschland, dass 90 Prozent ihrer verkauften Flaschen gesammelt werden und das Material wiederverwertet werden kann. Hierbei ist Deutschland Österreich schon einen Schritt voraus, wobei das Pfand System für PET Flaschen auch in Österreich schon heiß diskutiert wird.

Wie funktioniert Recycling außerhalb Europas?

Jahrzehntelang kümmerte sich China um das Recycling von fast der Hälfte der weltweit weggeworfenen Materialien, weil sein Fertigungssektor boomte und diese Materialien für seine Versorgung benötigte. Im Jahr 2016 exportierten alleine die USA 16 Millionen Tonnen Plastik, Papier und Metalle nach China. Tatsächlich waren 30 Prozent dieser gemischten Wertstoffe letztlich mit nicht recycelbaren Materialien verunreinigt, wurden nie recycelt und verschmutzten am Ende Chinas Land und Meere. Schätzungsweise 1,3 bis 1,5 Millionen Tonnen Plastik gelangten jedes Jahr vor Chinas Küste ins Meer. 2018 wurden Plastikimporte von China verboten und daher in andere asiatische Länder verschickt.

Die USA war für sehr viele Jahre von China abhängig, wodurch deren Recycling-Infrastruktur nie entwickelt wurde. 66 Prozent des weggeworfenen Papiers und Kartons wurden recycelt, 27 Prozent des Glases und acht Prozent der Kunststoffe wurden recycelt, wobei sechsmal mehr Kunststoffabfälle verbrannt werden als recycelt.

Anfang der 2000er Jahre hatte Korea mit einer hohen Menge an Lebensmittelmüll zu kämpfen und dadurch verpflichtende Lebensmittel-Recycling Systeme eingeführt. Dazu müssen spezielle Mülltüten gekauft werden, die farblichen den unterschiedlichen Müllkategorien im jeweiligen Bezirk zugeordnet werden können. Diese sind verpflichtend zu nutzen und finanzieren zum Großteil dieses System. Durch den hohen Preis der Tüten wird generell schon darauf geachtet weniger wegzuschmeißen. Auch Glas, Papier und Plastik werden stark getrennt und sogar kontrolliert. Bei falschem Trennverhalten gibt es gesetzliche Strafen und Anzeigen bei Fehlverhalten werden belohnt.

In Mexiko wird die Mehrzahl der Deponien von privaten Unternehmen betrieben, was es für die Betreiber zu einem lukrativen Geschäft macht, nicht zu recyceln. Somit wird der Müll weitersgehens verbrannt – mit verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt.

Jedes Land hat eine andere Herangehensweise an die Plastikmüllthematik. Letztendlich ist es jedoch ein globales Problem. (Foto: Unsplash, Antoine Giret)

Warum ist Recycling denn so schwer?

Unser Müll ist oft zu stark verschmutzt. Oder er ist überhaupt nicht recycelbar, weil es sich zum Beispiel um einen sogenannten Multilayer-Kunststoff handelt zum Beispiel Plastiktüten, Plastikstrohhalme, Joghurtbecher, Takeout-Geschirr. Diese bestehen aus mehreren untrennbar verschmolzenen Kunststoffen. Aber nur sortenreine Kunststoffe lassen sich gut recyceln. Ein generelles Problem, wenn man weiß, dass es chemisch gesehen über 100.000 unterschiedliche Kunststoff-Arten gibt.

Fazit

In vielen OECD-Ländern wie Neuseeland, Chile, Türkei, Mexiko oder Israel ist die Deponierung nach wie vor die wichtigste Entsorgungsmethode.  Demnach ist Recycling auch immer noch ein wichtiger politischer Faktor, der in die Gesetzeslagen mitaufgenommen werden muss. Obwohl Industrienationen die technischen Fähigkeiten einsetzen könnten, um mehr Müll zu recyceln, wird dieses Problem gerne noch zu oft ignoriert und in andere Länder abgeschoben. Die Aufklärung hin zur Kreislaufwirtschaft fehlt hierbei noch im Großteil der Länder und wird derzeit noch eher belächelt. Generell gilt aber, dass Verbraucher weiterhin Müll so gut wie möglich trennen sollten, wobei auch hier die Aufklärung in einigen Ländern noch erfolgen muss. Jedoch kann unser Plastikproblem nur dadurch vermindert werden, dass möglichst auf Plastik verzichtet wird.

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Ein Artikel von Anja
veröffentlicht am 22.06.2021
Energiemanagement Studentin mit einer großen Leidenschaft für Nachhaltige Themen im Alltag. Am ehesten Anzutreffen am Berg oder am Balkon mit einem guten Buch.