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Lebensmittelversorgung neu, Teil 5: Foodcoops

Schon gehört? Lebensmittelkooperativen als eine wunderbare Alternative zum Supermarkteinkauf – und das mit Nachhaltigkeit als höchste Priorität: Als Mitglied so einer Kooperative hat man nicht nur einen sicheren Nachschub an gesunden Lebensmitteln aus der Region, sondern auch ein demokratisch organisiertes soziales Umfeld. Im fünften Teil der Serie „Lebensmittelversorgung neu“ stellen wir vor, wie das Konzept „Foodcoop“ funktioniert und was dabei im Vordergrund steht. Viel Spaß beim Erkunden!

Der direkte Austausch mit den ProduzentInnen schafft einerseits Bewusstsein für die Realitäten der Lebensmittelproduktion und unterstützt andererseits kleine Betriebe in ihrem nachhaltigen Wirtschaften. (Foto: Pexels, Zen Chung)

Im Ethik.Guide, dem nachhaltigen Einkaufsführer, findest du in der Kategorie Lebensmittel sämtliche Bezugsquellen für einen genussvollen und klimafreundlichen Ernährungsstil: Bioläden und –Lebensmittelmarken, Unverpackt-Läden, Bio-Bäcker und –Winzer, Biokisten-Zusteller und Solidarische Landwirtschaften, aber auch Adressen von Selbsterntefeldern. Es kann auch nach veganen Anbietern oder bioveganer Landwirtschaft gefiltert werden.

Foodcoop verstehen

Das Prinzip ist einfach: Im Vorfeld beschließen die Mitglieder gemeinsam, was notwendig ist und dann wirds gekauft. Lebensmittelkooperativen sind in diesem Sinne keine Neuheit. Ähnliche Zusammenschlüsse gab es bereits mit den Konsumgenossenschaften seit dem späten 19. Jahrhundert. Diese können sozusagen als Vorläufer gesehen werden. Hohe Relevanz hatten demokratische Entscheidungen und haben dies auch heute noch. Was sich jedoch etwas gewandelt hat, sind die Hintergründe, vor welchen sich Menschen zusammengefunden haben. Foodcoops sind eine kritische Reaktion auf die gegenwärtige Situation industrieller Lebensmittelproduktion und ihre Missstände. Foodcoops zielen also auf kleinstrukturierte Produzenten ab, zu denen auch ein persönlicher Kontakt möglich ist: Klein- und Obstbauern, Gärtnereien, Bierbrauereien und ähnliche. Ein solches selbstbestimmtes Einkaufen ist nicht nur nachhaltig, sondern schaltet Zwischen- und Großhändler aus. Alle wissen, wo die Lebensmittel herkommen. Außerdem werden kleine Betriebe unterstützt, für die der Vertrieb ihrer Produkte eine Herausforderung aufgrund ihrer Größe darstellt.

Ernährungssouveränität steht für die Foodcoops im Mittelpunkt, darunter fällt etwa:

  • gesundes Essen als ein Menschenrecht
  • Bewahrung und Schutz der Natur
  • nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen durch schonende ökologische Landwirtschaft

Vom Feld in die Küche: Und was passiert dazwischen?

Foodcoops haben mittlerweile weltweit Anklang gefunden und werden immer mehr. Motiviert durch wahrscheinlich sehr ähnliche Gründe: Produzenten und Konsumenten haben keinen direkten Kontakt, vielmehr breitete sich in den letzten Jahrzehnten eine große Distanz zwischen ihnen aus. Zwischenhändler und Supermarktkonzerne sind bei diesem Prozess nicht ganz unschuldig: Es wird beim Großhändler und dort eingekauft, wo es am billigsten ist und das bedeutet gleichzeitig oft, dass die Lebensmittel weite Wege zurücklegen müssen. Wem kann man dann eigentlich noch trauen? Foodcoops liefern eine Antwort auf diese prekäre Situation der Lebensmittelbeschaffung.

Konkret: In einem Plenum, das zum Beispiel monatlich stattfindet, werden zukünftige Entscheidungen gemeinsam getroffen. Handelt es sich etwa um eine Lager-Foodcoop, so werden Obst, Gemüse und Sonstiges geliefert, jedes Mitglied holt sich seinen Anteil selbstständig und zahlt seinen Beitrag in die Kassa ein. Es gibt ein vielfältiges Angebot an Foodcoops für jeden Geschmack und Lebensstil. Eine Besonderheit ist die (erste) vegane (!) Foodcoop im 15. Bezirk in Wien.

Es gibt keine einheitliche Organisation von Foodcoops, sondern verschiedene Arten der Handhabung:

  • gemeinsam Bestellen und Abholen bzw. Liefern (Arbeitsteilung)
  • online Bestellen bei Kleinproduzenten
  • Lager-Foodcoops, wo sich alle Mitglieder ihren Anteil selbst holen

Bei einer Neugründung kann man sich jedoch ein System aussuchen, das für die Mitglieder am besten funktioniert.

Außerdem ist es nicht untypisch, dass Foodcoops mit CSAs kooperieren. Beiden Alternativen ist in vielen Fällen die Erhaltung alter Gemüse beziehungsweise Obstsorten ein großes Anliegen.

Ja, ich will mitmachen! Aber wie?

All jene, die sich für ein alternatives Beschaffungssystem von Lebensmitteln interessieren oder einfach genug vom Obst aus Chile haben, sollten tatsächlich in Erwägung ziehen, so einer Lebensmittelkooperative beizutreten oder gar eine zu gründen (dazu gibt es sogar Leitfäden). Da es österreichweit viele verschiedene Foodcoops gibt, sollten sich Interessierte vorerst überlegen, welche Vorstellungen bestehen beziehungsweise welche davon einem zusagt.

Fazit

Foodcoops bieten ein alternatives System, bei dem Mitbestimmung vorausgesetzt wird. Solche Organisationsformen können nicht nur für den Lebensmitteleinkauf angewendet, sondern auch auf andere Bereiche umgemünzt werden.

Da wir nun schon einige alternative Lebensmittelanbieter in der Serie vorgestellt haben, haben alle Interessierte die Möglichkeit, sich einen passenden Typ auszusuchen… Und wer sich einer bestehenden Foodcoop anschließen möchte, findet hier einen Überblick über österreichische Foodcoops.

Weiterführende Links:

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Ein Artikel von der Ethik.Guide-Redaktion
veröffentlicht am 31.01.2022
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