Die vegane Ernährungspyramide

Eine Ernährungspyramide stellt Ernährungsempfehlungen dar: Die breite Basis bilden Lebensmittel, von denen du viel essen solltest. Die Lebensmittel an der Spitze solltest du dagegen nur in geringem Maße zu dir nehmen. Die klassische Ernährungspyramide enthält Fleisch, Eier und Milchprodukte. Für vegan lebende Menschen gibt es aber mittlerweile auch vegane Ernährungspyramiden.

Gemüse und Obst spielen bei der Ernährungspyramide neben Wasser die größte Rolle – egal ob vegan oder nicht. (Foto: pexels, Viktoria Slowikowska)

Im Ethik.Guide, dem nachhaltigen Einkaufsführer, findest du in der Kategorie Lebensmittel sämtliche Bezugsquellen für einen genussvollen und klimafreundlichen Ernährungsstil: Bioläden und –Lebensmittelmarken, Unverpackt-Läden, Bio-Bäcker und –Winzer, Biokisten-Zusteller und Solidarische Landwirtschaften, aber auch Adressen von Selbsterntefeldern. Es kann auch nach veganen Anbietern oder bioveganer Landwirtschaft gefiltert werden.

Unterschiede zur klassischen Ernährungspyramide

Die 2010 veröffentlichte österreichische Ernährungspyramide ist in sieben Stufen abgebildet und zeigt, wie die Ernährung laut österreichischem Gesundheitsministerium aussehen soll: Ganz unten stehen mindestens 1,5 Liter energiearme Getränke. Darauf folgen 5 Portionen Obst, Gemüse oder Hülsenfrüchte, dann Getreide, Milchprodukte und pflanzliche Öle, Fleisch, Fisch und Eier, tierische Fette. Und an der Spitze finden sich schließlich zucker-, fett- und salzreiche Lebensmittel sowie alkoholische Getränke.

Es gibt verschiedene Lebensmittelpyramiden, die sich auch je nach Land und dessen Ernährungsempfehlungen unterscheiden. Mittlerweile existieren auch schon verschiedene vegane Ernährungspyramiden, die sich vom Aufbau her aber immer sehr ähneln und ebenfalls auf mehreren Stufen aufgebaut sind.

Die größten Unterschiede finden sich am ehesten in der obersten Stufe. Einige vegane Ernährungspyramiden führen hier – anstatt von Alkohol und Süßigkeiten – verschiedene Supplemente (Vitamin B12, Vitamin D etc.) an und integrieren diese somit als festen Bestandteil der Ernährungspyramide. Andere empfehlen diese zusätzlich. In der folgenden Abbildung findest du ein Beispiel für eine vegane Ernährungspyramide:

Vegane Ernährungspyramide

Beispiel für eine vegane Ernährungspyramide. (Grafik: Judith Kapfer)

Auf der Seite der veganen Gesellschaft Österreich findest du ebenfalls eine vegane Ernährungspyramide inklusive genauer Beschreibung der einzelnen Stufen.

Blick über den Tellerrand

Die Ernährungspyramide wurde Anfang der 1990er Jahre vom United States Department of Agriculture (USDA) eingeführt, dem Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten. Bald wurde das Modell der Ernährungspyramide auch international aufgenommen. Interessant ist, dass sich die Lebensmittel-Empfehlungen in diesen Pyramiden teilweise deutlich zwischen den Ländern unterscheiden.

In Japan zum Beispiel steht die Ernährungspyramide auf dem Kopf und gleicht eher einem Kreisel. Benannt wird er als “Japanese Food Guide Spinning Top“. Oben beginnt der Kreisel  mit Reis, Nudeln und Brot, dicht gefolgt von Gemüse. Obst und Milchprodukte werden interessanterweise auf der gleichen Ebene abgebildet, nämlich in der Kreiselspitze. Das heißt, in Japan wird vom Verzehr dieser Speisen eher abgeraten.

Auch Kritik an dem Modell an sich wird laut, weshalb in den USA beispielsweise die Ernährungspyramide 2011 abgelöst wurde durch „MyPlate“, was einem Kuchendiagramm gleicht. Aber auch dieses Modell stößt auf Kritik, weil es sehr vage ist. Deshalb hat die weltbekannte Universität von Harvard als Gegenentwurf den „Heathy Eating Plate“ präsentiert. Dieses Modell erinnert zwar optisch stark an „MyPlate“, aber geht auf Details ein und berücksichtigt den essenziellen Faktor Trinkwasser.

unterschiedliche Ernährungnsmodelle von USA, Harvard und Japan

Unterschiedliche Ernährungsmodelle von den USA, Harvard und Japan. (Grafik: Judith Kapfer)

Große Schlagzeilen in dem Zusammenhang hat 2019 auch Kanada gemacht, als sie ihre nationalen Ernährungsempfehlungen überarbeitet haben und Milch endgültig aus der Ernährungspyramide verbannt haben. Auch hier wurde zudem die Ernährungspyramide durch einen Ernährungsteller abgelöst. So sollen die KanadierInnen auf einen Blick erkennen, welche Lebensmittel reichlich am Teller und im Magen landen sollen.

Der gelegentliche Konsum von tierischen Produkten als Proteinquelle ist zwar nach wie vor auf dem Ernährungsteller empfohlen, aber der Fokus soll auf jeden Fall auf pflanzlichen Proteinquellen liegen. Kichererbsen, Bohnen, Tofu und Nüsse werden als besonders gesund hervorgehoben. Kanada hat hier einen großen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gemacht und klar kommuniziert: Pflanzliche Lebensmittel sind der Schlüssel zu einer gesunden Ernährung!

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Ein Artikel von Judith Kapfer
veröffentlicht am 8.03.2022
Vegane Ernährungstrainerin in Ausbildung. Verbringt ihre Freizeit mit Wandern in den Bergen, bei Schlechtwetter aber auch gerne auf der Couch. Immer mit dabei: Hunde Thino und Mimi.